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Beitrag: Bären in Hyder am Fishcreek (Gelesen: 4052 mal) |
Inge (Gast)
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Bären in Hyder am Fishcreek
( Datum: Oktober 11th, 2003 um 3:36:25pm) |
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Sicherlich ist dem ein oder anderem in diesem Forum der Fishcreek in Hyder bekannt, an dem in den Sommermonaten bis in den Herbst hinein Bären beim Lachsfang beobachtet werden können. Ich selbst war mehrmals dort, zuletzt jetzt im September. Obwohl durch Bilder im Internet und Beschreibungen von Bekannten bereits vorgewarnt, war es während unseres diesjährigen Aufenthaltes am Fishcreek ein Schock zu sehen, was aus diesem wunderschönen Ort geworden ist. Die einstmals kleine Besucherplattform am Flussufer hatte man abgerissen und durch einen gigantischen Neubau ersetzt, auch am kleinen Nebencreek, der ebenfalls von Lachsen besucht wird. Insgesamt ist der Holzsteg fast 680 m lang. Wir waren betroffen, was man dort "zum Schutz der Menschen vor den Bären - oder war es vielleicht umgekehrt???" gebaut hat. Es gibt jetzt dort sogar eine Toilettenanlage, die sicher bei dem enorm angestiegenen Besucheraufkommen auch erforderlich ist. Wir haben uns nur gefragt: "Wie wirkt sich der penetrante und stechend beißende Chemikaliengeruch, den man auch noch außerhalb wahrnimmt und der schon von uns Menschen als störend empfunden wird, auf die Bären mit ihren äußerst feinen Nasen aus? Man kommt sich vor wie im Zoo. Und da die Bären das wohl genauso sehen, haben sie bereits ihre Konsequenzen gezogen und sind den Fluss ein ganzes Stück hinunter gezogen, um ungestört fischen zu können. Wir hatten die Bären in Hyder bisher immer im September erlebt. Zu dieser Jahreszeit fanden sich dort nur noch wenige Bärenliebhaber ein, die man mühelos zählen konnte. In diesem Jahr jedoch, so konnten wir es in den frei einsehbaren statistischen Aufzeichnungen der Ranger lesen, tummelten sich an einem einzigen Tag Anfang September dort sage und schreibe 546 Besucher... Klar erkennbar war anhand dieser Aufzeichnungen auch, dass das "Bärenaufkommen" drastisch abgenommen hatte, obwohl das keiner der anwesenden Ranger öffentlich zugab. So wird Stück für Stück und für viele unmerklich eines der letzten noch frei zugänglichen Bärenparadiese in Nordamerika zerstört. Die ewig Unverbesserlichen werden weiter aus ihren Autos steigen und mit Filmkameras und Fotoapparaten bewaffnet einem am Straßenrand grasenden Bären den Hang hinauf hinterher jagen (wir selbst haben in dieser Hinsicht schon die absurdesten und unbegreiflichsten Situationen erlebt). Was nützen da alle Broschüren in den Visitor-Infos, die darüber aufklären, wie man sich bei einer Bärenbegegnung verhalten soll? Es wird auch immer wieder Menschen geben, die Lebensmittel auslegen, um Bären anzulocken, damit sie ihr "Starfoto" schießen können. Was geht eigentlich in deren Köpfen vor? Es ist mittlerweile erforderlich geworden, an der Zufahrtsstraße zum Fishcreek Hinweistafeln in deutsch (!) aufzustellen, mit denen man das Füttern der Bären verbietet... All dieses gewissenlose Verhalten führt eines Tages zu derartigen Tragödien wie vor zwei Jahren, als ein Bär in Hyder einen Koch in seiner nach Essen duftenden Kleidung nachts in seinem Zelt angegriffen und getötet hat. In jeder "Bärenbroschüre" kann man nachlesen, dass man genau das tunlichst vermeiden soll, da die Essensdüfte zwangsläufig Bären mit ihren überaus feinen Nasen anziehen. Besonders makaber war dann noch der Umstand, dass der Mann aus Ketchikan (Südalaska) stammte und eigentlich über bärengerechtes Verhalten hätte Bescheid wissen müssen. Im Grunde genommen gehen die Einwohner selbst mit den Bären respektlos um. Wie anders ist es sonst zu erklären, dass man uns mit größter Selbstverständlichkeit klarzumachen versuchte, dass es völlig normal und notwendig sei, die in immer größerer Anzahl auf der von Einwohnern in Stadtnähe angelegten Müllkippe erscheinenden Schwarzbären zu erschießen? Sie seien doch eine große Bedrohung der Menschen ... Nur wenige Wochen vor unserem Abflug nach Kanada ereignete sich ein weiterer tragischer Zwischenfall. Ein bei allen Besuchern beliebte Grizzly hatte sich eines nachts aus dem Schutzgebiet des Tongass National Parks entfernt und war in Stewart (British Columbia), dem Nachbarort Hyders aufgetaucht. Dort fühlte sich ein angetrunkener Bewohner von dem Tier bedroht und hat den Bären kurzerhand erschossen! Anstelle des Steges wäre es besser gewesen, man hätte den bisher freien Zugang zum Fishcreek gesperrt und Zutritt nur noch gegen ein horrendes Entgelt oder eine Lotterie, wie an den bekannten Stellen in Nord-Alaska und nur für eine täglich begrenzte Anzahl von Touristen zugelassen. Vielleicht hätte man so den Lebensraum der Bären noch retten können, denn dann wären höchstwahrscheinlich nur noch die wirklichen Bärenliebhaber zu diesem einmaligen Platz in Südalaska gekommen.
Mit nachdenklichen Grüßen
Inge gespeichert
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Kuli
Cheechako
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Re: Bären in Hyder am Fishcreek
(Antworten #1 Datum: Oktober 11th, 2003 um 10:21:52pm) |
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Hallo Inge,
ich muss Dir schweren Herzens zustimmen. Leider kennen auch wir den Fish Creek nicht mehr, wie er vor 5 - 6 Jahren war, doch ich kenne den "damaligen" Fish Creek aus einem privaten, nicht nachvertontem Video - ohne Massen von Touris. Leute, die sich still verhielten, die Bären nicht störten, sie nur beobachteten. Meinen Film von 2001 mußte ich allerdings nachvertonen, das Geschnatter wäre sonst unerträglich gewesen! Gegröle, Pfiffe weil ein Cup einen Fisch fing, Klatschen, Kindergeschrei, Hin- und Hergetrampel auf der großen Plattform, vom Blitzlichtgewitter ganz zu schweigen! Vielleicht hätte man schon vor 2 Jahren touristen-reduzierende Massnahmen ergreifen müssen, anstatt eine riesige Plattform, wie sie heute ist, zu erstellen. Was kommen würde, zeichnete sich doch schon damals ab. Der Fish Creek ist "verkehrsgünstig gelegen" und gerade darum muss etwas geschehen. In erster Linie zum Schutz der Bären, in 2.Linie um die Infrastruktur von Hyder und Steward zu erhalten. Wenn die Verantwortlichen bd. Orte nicht total schlafen, werden sie gezwungen sein, etwas zu unternehmen! Denn: sind die Bären erst einmal weg, sind es bald auch die geldbringenden Touristen. Und dann sind beide Orte nur noch "tote Nester" Dann heißt es: Gute Nacht Hyder, gute Nacht Steward - macht's gut ihr Bären, passt auf Euch auf und verzieht Euch - wenn nichs geschieht - solange ihr es noch könnt!
traurige Grüße
Kuli
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Reiner
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