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R E P O R T
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Zwischenbericht
Drei Tage sind die Musher nun unterwegs und waehrend sich das Feld nun
schon ueber mehr als 100 km ausgebreitet hat, ist selbst den Kennern des
Rennens nicht klar, was als naechstes passieren wird.
Schon vor dem Rennen wurden Stimmen laut, die sagten, dass die Teilnehmer
des Rennens dieses Jahr insgesamt haerter und erfahrener sind als in den
Rennen der Jahre davor.
Nur 10 Neulinge fahren das Rennen dieses Jahr, eine aeusserst geringe
Zahl, waehrend die anderen Musher die Quest oder den Iditarod schon
erfolgreich bestanden haben und damit "Veteranen" sind.
In der Tat haben sich viele der bekannteren Teilnehmer diesen Namen auf
mehr als eine Art und Weise verdient:
Frank Turner ist 53 Jahre alt, John Gourley 52, Cor Guimond 50, Dieter
Zirngibl 50, Jerry Louden 49 und Schandelmeier 48 Jahre alt.
Was viele im Kraftsport als "alte Herren" bezeichnen wuerden, wird in
diesem Rennen zu Jahrzehnten von Erfahrung, schweigendem
Durchhaltevermoegen und zu der Faehigkeit das Team aus Mensch und Tier
ueber 1600 km gesund und motiviert zum Ziel zu bringen.
Waehrend ich dies schreibe, fuehrt der 41jaehrige William Kleedehn, der
nach einem Autonfall vor einigen Jahren eine Beinprothese traegt, sein
Team in Richtung Stepping Stone, einem unoffiziellem Streckenposten 60 km
von Pelly Crossing entfernt und liegt seit ueber 250 km in der Fuehrung.
Je mehr man das Rennen zu verstehen beginnt, um so mehr muss man
die Maenner und Frauen achten, die das fast unmoegliche versuchen.
Nun aber zum wichtigen Teil:
Wie laesst sich das Rennen soweit deuten ?
William Kleedehn war von den Beobachtern des Rennens in keinster Weise
dazu ausersehen worden, den Ton des Rennens anzugeben, obwohl 12 seiner 14
Hunde als Leithunde trainiert und aeusserst erfahren sind.
Insgesamt ist er eine Ueberraschung.
Auch hat er die Elite des Rennens (zu der er sich im Augenblick ohne
Zweifel selber zaehlen kann) ueberrascht und gibt das Tempo an.
Musher haben nun die Wahl seinem Tempo zu folgen oder zurueckzubleiben.
Zeitlich gesehen sind Sawatzky, Osmar und Schandelmeier selten mehr als
eine Stunde hinter "Iron Will" zurueckgeblieben.
Alle drei wissen, dass der wirkliche Kampf erst nach Dawson
stattfindet, koennen es sich allerdings nicht erlauben zu weit
zurueckzubleiben. Bis jetzt begnuegen sie sich damit, Kleedehn in geringem
Abstand zu folgen um ihn nicht aus den Augen zu verlieren.
Erfahrungsgemaess ist es auch einfacher fuer ein Team einem anderen zu
folgen, als einen frischen Trail alleine zu fahren. In dieser Hinsicht
finden sich die Verfolger damit ab dem Fuehrer zu folgen.
Kleedehn allerdings hat in Pelly Crossing seinen ersten psychologischen
Zug gemacht, am Checkpoint wie vorgeschrieben unterzeichnet sowie Hunde
und Ausruestung untersuchen lassen und ist dann in der Nacht Richtung
Stepping Stone verschwunden. Seine Verfolger blieben in Pelly
Crossing, waehrend er ohne Zweifel im Busch rasten wird.
Wieso wuerde jemand im Busch rasten anstatt an einem Checkpoint mit
heissem Kaffee, Wasser und Heu fuer die Hunde sowie einem warmen Platz
zum schlafen ?
Die Antwort ist einfach:
Verunsicherung der Verfolger sowie Verheimlichung der Rastzeit.
Weder Osmar, Sawatzky, Schandelmeier oder der Neuling Bill Steyer werden
besonders gut schlafen, solange sie nicht wissen, was Kleedehn im Schilde
fuehrt und wie weit er gefahren ist. Ihre Entscheidung, im Checkpoint zu
bleiben wurde nicht gemacht, weil sie muede waren oder kalte Zehen
hatten, sondern weil sie ihre Hunde und sich selbst fuer die kommenden
1000 km schonen wollen.
Allerdings hat William Kleedehn in Kanada und Alaska einen langjaehrigen
Ruf dafuer, dass er lieber seine Hunde schont als zu gewinnen. Deshalb
laesst sich vermuten, dass er kurz nach dem Checkpoint in Pelly Crossing
rastete.
Durch Rasten im Busch verhindert er allerdings, dass seine Verfolger die
Rastzeiten seines Teams erfahren koennen,
was es unmoeglich machen wird die Kraft der Hunde spaeter auf dem Weg
nach Dawson einzuschaetzen.
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Zwischenbericht
Jeder kann Rastzeiten in Checkpoints vom Internet abrufen, und die Musher
muessen sich nur die Zeittabellen der Rennleiter angucken um diese
Zeiten zu erfahren. Im Busch allerdings kann man nur vermuten.....
Diese Strategie wird oft auf den letzten 300 km des Rennens
angewandt, selten allerdings so frueh.
In Dawson City warten 4 Unzen Gold auf den ersten Musher und da Kleedehn
eigendlich ein Mitteldistanzteam leitet, laesst sich nun vermuten, dass er
als erster in Dawson ankommen will. Er hat gute Chancen dies trotz des
Ausscheidens von zwei Hunden zu schaffen falls er Solomons Dome kurz vor
der Goldgraeberstadt ohne allzugrosse Probleme hinter sich
bringt. Allerdings hat er ein erfahrenes Rudel auf seinen Fersen, das sich
gegenseitig wachhaelt.
Auch diese Strategie ist alt und artet gegen Ende des Rennens in
erbitterte Kaempfe aus.
All dies sind natuerlich Spekulationen, aber keiner seiner Verfolger
bezweifelt, dass Kleedehn irgendetwas spezielles im Schilde fuehrt und
ich bezweifele, dass sie lange ruhen werden, bevor sie herausfinden
wollen, was es ist.
Seine Entscheidung nicht in Pelly Crossing zu bleiben sagt mehr aus als
man auf den ersten Blick sieht.
Und wie sieht es mit den anderen Mushern aus ?
Jerry Louden muss im Auge behalten werden, obwohl auch er schon zwei
Hunde abgab. Zwei andere Hunde seines Teams sind von Aily Zirkles
letztjaehrigem Team, das die Quest gewann.
Schandelmeier, Osmar und Sawatzky warten und lassen ihre Hunde laufen. Nur
Osmar musste von diesem Dreierteam bisher einen Hund zuruecklassen, und
sie beginnen jetzt schon das Rudel zu bilden, das spaeter wahrscheinlich
den Ton angeben wird. Ihre Rennzeiten zeigen schon jetzt, dass sie nicht
vorhaben sich gegenseitig aus den Augen zu verlieren.
Frank Turner hat wohl auch den Verlust seiner drei Hunde weggesteckt und
liegt gut im Rennen. Jeder weiss, dass der Kampf um den ersten Platz erst
in Dawson beginnt und man sich nur halbwegs richtig platzieren muss um
von dort aus aufzubrechen.
Viele Musher haben inzwischen Hunde abgegeben und nur 11 der 31 Teams
fuehren noch alle 14 Hunde mit der sie an der Ziellinie gestartet sind.
Sylvia Furtwaengler, die einzige deutsche Musherin im diesjaehrigem
Rennen hatte besonders wenig Glueck mit ihren Hunden, was allerdings in
keinster Weise gegen sie spricht.
Auch versteckte alte Verletzungen und selbst Krankheitszeichen wie
nervoeser Durchfall durch die Hektik und das Chaos an der Startlinie von
unerfahrenen Hunden(und damit Entwaesserung des Hundes) koennen dazu
fuehren, dass ein Hund aus dem Rennen ausscheiden muss.
Ein langsameres Tempo und Frank Turners alte Redensart:"Ich muss
zusehen, dass ich mich nicht selber schlage !"
sind in solchen Situationen wichtig.
Viele der Musher sind nicht im Rennen um es zu gewinnen, sondern um es zu
bestehen und die Ziellinie zu erreichen.
Waehrend wir gebannt auf die Zeiten der alterfahrenen Favoriten des
Rennens starren, die das Rennen so leicht erscheinen lassen und wir
unserer Phantasie freien Lauf lassen, darf man nicht vergessen, das es
einacher ist ueber die kalten Naechte, den Wind und das Eis des Yukon zu
schreiben als dies wirklich zu bestehen zu wollen.
Peter Kamper
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