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(Moderator: admin)
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   Autor  Beitrag: Im Denali Nationalpark  (Gelesen: 1927 mal)
 Baumjoe
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Im Denali Nationalpark
( Datum: Dezember 22nd, 2008 um 12:54:45pm)
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Hallöchen,

hier ist ein Auszug aus meinem Buch "Da draußen ist ein Tier", Yukon Rundmails - Teil II, ISBN 978-3-8370-2501-9, 88 Seiten, 18 Farb- und 9 SW-Fotos, 12,90 €, das bei mir (http://www.Baumjoe1.de), amazon (http://www.amazon.de/drau%C3%9Fen-ist-ein-Tier-Westkanada/dp/3837025012/ref=sr_1_4?ie=UTF8&s=books&qid=1229946756&sr=1-4), allen anderen Versandhändlern und natürlich im Buchhandel erhältlich ist:

Wenigstens hatten wir dieses Mal auf dem Weg die Küste entlang nach Anchorage gutes Wetter und konnten die auf der Hinfahrt ausgefallenen Fotos nachholen. Wir fuhren etwa 70 Kilometer vor dem Denali auf einen Campingplatz. Drei Angler warnten uns vor einer Grizzlybärin mit einem Jungen, was uns natürlich veranlasste, sofort da gucken zu gehen. Waren aber leider schon weg. Da auch am nächsten Morgen das Wetter noch gut war, fuhren wir einen Kilometer zu einem Aussichtspunkt zurück. Es war das erste Mal, dass ich den Mt. McKinley live in seiner vollen Pracht zu sehen bekam. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Es war auch das letzte Mal.

Bereits als wir am Visitor Centre des Parks waren, war alles bewölkt. Da wäre ich auch beinahe rückwärts raus gegangen: Rund 200 Leute bevölkerten den Raum. Glücklicherweise machten die meisten nur eine Busfahrt über die einzige Straße des Parks. Private Pkws sind nicht erlaubt, bzw. nur für einen kleinen Teil der Strecke oder unter besonderen Umständen. Wir suchten uns einen Bereich aus, in dem wir wandern wollten. Für jeden Bereich sind nur eine gewisse Anzahl Backpacker zugelassen, so dass wir unsere Unit erst für den übernächsten Tag buchen konnten. Anschließend fuhren wir wieder raus und suchten uns einen Campingplatz. Der kostete uns die Kleinigkeit von zehn Dollar plus fünf Dollar für Holz. Ich war so baff, dass ich einfach bezahlte. Der Preis von 2,5 Dollar für die Dusche schockte uns dann kaum noch. Der Abend war mit Klamotten zusammenstellen und packen sowie reichlich Regen gut ausgefüllt.

Für den nächsten Morgen nahmen wir den Camper-Bus für die Rucksack-Touristen. Der ist günstiger als der normale Touri-Bus und es fahren artverwandte Seelen mit. Wir wollten bis zum Wonder Lake, dem Ende der Parkstraße mit und dann wieder zurück bis zu unserem Campingplatz innerhalb des Parks fahren, damit ich mal alles zu sehen bekam. So sieht man auch die meisten Tiere. Erwähnte ich übrigens schon, dass es regnete? Die Landschaft war trotzdem großartig: Zuerst mit ziemlich verkrüppelten Bäumen bewachsen und nachher eher Tundra. Berge, Gletscher und riesige Urstromtäler. Ein Schrei „Bear at ten o'clock“, ließ unseren Busfahrer bremsen, alle auf die linke Seite des Busses springen – vorne war halt twelve o'clock –, die Zwergschiebefenster aufreißen, Fotoapparate mit riesigen Objektiven aus den Rucksäcken nehmen und alles was sich bewegte wurde fotografiert. Was meine Mitreisenden bei dem Regen in einem schaukelnden Bus einen Bären in zwei Kilometer Entfernung erkennen ließ, blieb mir verborgen.

Doch wir sahen einige Bärinnen mit Jungen, dank der Adleraugen der anderen. Einmal angeblich auch einen richtigen Elchbullen mit Geweih, aber ich glaube immer noch nicht, dass es diese Tiere wirklich gibt. Seit zehn Jahren – der ersten Tour in Schweden – renne ich den Viechern jetzt hinterher, aber alles was ich sehe sind Kühe und Kälber. Auch dieses Mal wollten sie mich reinlegen: Man sah nicht den Elch – er soll angeblich von einem Busch verdeckt worden sein – sondern nur ein riesiges Geweih. Wenn die Jungs vom Park glauben, mich verarschen zu können, indem sie irgend etwas basteln, das nach einem riesigen Geweih aussieht und das auf den Boden legen und mir erklären, dass an dem Geweih ein riesiger Elchbulle dranhängt, dann müssen sie aber früher aufstehen!!!!!!!!!!!!

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 Baumjoe
 Gast
 
 
     

   
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Teil 2
(Antworten #1 Datum: Dezember 22nd, 2008 um 12:56:17pm)
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Tierdrama am Fluss

Unser Busfahrer, Chuck, erzählte uns auch von einer anderen interessanten Geschichte aus dem Park: Vor zwei Wochen sei ein junger Elchbulle – also einer mit nur einem kleinen Geweih – von Wölfen gejagt und verletzt worden. Danach war er verschwunden, am Vortag erneut von den Wölfen verletzt worden und stände jetzt direkt an einer Brücke am Fluss. Wir kamen an diese Brücke, sahen den verletzten Elch, drei Wölfe in gehörigem Abstand drum herum sowie eine sehr interessierte Grizzlybärin mit zwei Jungen. Den Wölfen war der Elch noch zu fit – seine Hufe sind tödliche Waffen und zwei Wölfe waren bei der Jagd bereits verletzt worden – und die Bärin hatte Angst, dass sich die Wölfe über ihre Jungen her machen würde, wenn sie sich an den Elch machen würde. Man hörte fast jeden im Bus Luft holen, als der Elch sich hin legte und alle glaubten sein Ende sei nah. Auf der Brücke sahen wir rund 20 Profifotografen, die von der Story Wind bekommen hatten und nun wie die Geier auf ihre Beute lauerten. Während der ganzen Weiterfahrt, wurde unser Driver durch seine Kollegen über den aktuellen Stand unterrichtet und gab das an uns weiter. Einige glaubten die Wölfe würden das Rennen machen, andere tippten auf die Bären und nur ein Spaßvogel setzte auf die Raben.

Der wunderschöne Blick vom Wonder Lake am Ende des Parks auf den Mt. McKinley – Wissbegierige aufgepasst: Er ist mit knapp 6.200 Metern der höchste Berg Nordamerikas – war ja nun nicht und gegen 17 Uhr waren wir wieder zurück an der Brücke. Die Wölfe testeten den Elch, ich sah sogar einen an der Wunde des hinteren Elchbeins knabbern. Die Wölfe – sehr scheue Tiere, da sie überall in Alaska außerhalb der Parks einfach abgeschossen werden dürfen – liefen direkt an den Fotografen vorbei. Ich hätte nie geglaubt, dass ich einem lebenden Wolf so nahe kommen würde. Sie umkreisten den Elch immer enger, aber niemand wusste, wie lange es noch dauern würde. Nach einer Weile mussten wir weiterfahren – die Busse stauten sich um die Brücke – und zehn Minuten später hörten wir über Funk, dass die Wölfe den Elch im Wasser gerissen hätten. Das Blut im Wasser brachte jedoch einen Bären auf den Plan, der angesprintet kam und die Wölfe verjagte. Was für eine Story.

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 Baumjoe
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Teil 3
(Antworten #2 Datum: Dezember 22nd, 2008 um 12:58:40pm)
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Mit Heidi auf dem Campingplatz

Wir schlugen auf unserem Campingplatz das Zelt auf und unterhielten uns mit Regenklamotten im Regen stehend mit unseren Zeltnachbarn, einem Ami und einem Schweizer Ehepaar. Dabei erfuhren wir so interessante Sachen, wie, dass auf diesem kleinen Platz – nur sieben Standplätze – am Nachmittag, ein Grizzly ein wenig Zeltstoff zerfetzt hatte, am Wonder Lake jemand von einem Schwarzbären attackiert worden war und das hier ebenfalls Leute campten, die durch das Flussbett liefen, als die Wölfe am Vortag den Elch angegriffen hatten. Vor allem die Schweizerin war witzig, mit Heidizöpfen unter einem lila Milkakopftuch. Am nächsten Morgen fuhren wir mit dem Bus zu unserer Unit und kamen wieder an der Elchbrücke vorbei. Dort knabberte jetzt eine Grizzlybärin mit zwei Jungen an den Überresten des Elchs herum. Später hörten wir, dass drei verschiedene, ausgewachsene Grizzlies sich an dem Elch gütlich taten, bevor die Wölfe zu ihrem Recht kamen. Auf der Fahrt sahen wir auch jede Menge Grizzlies, so sechs oder sieben Bärinnen mit jeweils mehreren Jungen und das relativ nah.

Wir stiegen an unserer Unit aus. Geplant war, einige Kilometer zu wandern, das Zelt aufzuschlagen und am nächsten Tag den Mount Galen zu besteigen, von dem man einen tolle Aussicht haben sollte. Bemerkte ich schon, dass es regnete? Nun zuerst durch hüft- und anschließend durch kniehohe Büsche laufend, gaben unsere Wanderschuhe ihre Wasserdichtigkeit recht schnell auf. „Bush whacking“ nennt man das Wandern durch diese Büsche hier und es ist recht harte Arbeit. In fact, hatte ich das bis dato meistens zu vermeiden gesucht und nur dann gemacht, wenn es wirklich nicht anders ging. Nach einer Weile wurde es dann wesentlich einfacher. Plötzlich tauchte ein Zelt vor uns auf. Wir umgingen es und stiegen einen Hügel hoch. Nach einer Weile fanden auch wir einen annehmbaren Zeltplatz, mussten allerdings noch eben zwei Karibus verscheuchen. Wir machten uns kurz was zu essen, verstauten alles irgendwie essenähnlich Riechende – Zahnpasta, Wundsalbe, Sonnencreme (in meinem grenzenlosen Optimismus hatte ich sogar zwei Tuben dabei) und so weiter – in den bärensicheren, kleinen Containern, die wir mitführen mussten rund 100 Meter vom Zelt entfernt, in dem wir es uns „gemütlich“ machten. Nun es war zumindest trocken.

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Letzte Änderung: Baumjoe - Dezember 22nd, 2008 um 12:59:08pm
 Baumjoe
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Teil 4
(Antworten #3 Datum: Dezember 22nd, 2008 um 1:00:28pm)
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Der Denali wird geflutet

Auch am nächsten Morgen wurden wir von einem netten Dauerregen geweckt und blieben einfach liegen. Wir spielten Mensch ärgere dich nicht und Halma, lasen oder schrieben und warteten auf das Ende des Regens. Die Bergbesteigung war verschoben. Gegen Abend hörte es für kurze Zeit auf. Wir machten uns schnell was zu essen – aus nahe liegenden Gründen sollte man auch das nicht im Zelt machen – und gingen wandern. Silke Richtung Bach und ich unseren Haushügel hoch. Zu sehen war natürlich überhaupt nichts, außer einem wirklich sehr fetten Murmeltier, da wir mitten in den Wolken hingen. Ne, stimmt ja gar nicht. Ich habe einen Gletscher gesehen. Nicht ganz, aber ungefähr eines der mittleren Zehntel. Wow, welch ein Anblick. Aber es tat gut, sich mal ein bisschen zu bewegen. Als wir beide wieder am Zelt waren, fing es gleich an zu regnen. Wahrscheinlich sollten wir für die rund einstündige Regenpause dankbar sein.

Die ganze Nacht über Regen und morgens auch. Wir hätten eigentlich zu unserer nächsten Unit rüber gehen müssen, aber wir sahen beide ein, dass es keinen Zweck hatte. Der Regen würde so schnell nicht aufhören. Es macht einfach keinen Sinn, wenn man nichts sieht und auch nichts fotografieren kann. Also traten wir geschlagen den Rückweg an. Als wir wieder im Bus saßen, hatte keiner von uns beiden mehr einen trockenen Faden am Leib. Dort hörten wir auch, dass eine Wanderin wegen eines kleinen Unfalls ausgeflogen werden musste, die Flüsse unheimlich angestiegen und deshalb sehr schwer zu passieren gewesen seien, einige Wanderer noch gesucht werden würden und zahlreiche Units gesperrt worden wären.

Auszug aus meinem Buch "Da draußen ist ein Tier".


Gruß

Baumjoe

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Letzte Änderung: Baumjoe - Dezember 22nd, 2008 um 1:01:54pm
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