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   GinGin 200
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   Autor  Beitrag: GinGin 200  (Gelesen: 4403 mal)
 Peter_Kamper
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Re: GinGin 200
(Antworten #30 Datum: Januar 1st, 2009 um 2:59:58am)
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Wo waren wir stehen geblieben, ach ja, das Aufladen des Motorschlittens....

Ich ging ebenfalls hinueber und half die Maschiene auf den Lastschlitten zu wuchten. Die Vorderkufen der Maschiene waren etwas zu breit und sassen nur links und rechts auf dem Rand des Lastschlittens auf.
Dann wurde mir und einem der Soldaten befohlen auf dem Motorschlitten Platz zu nehmen der auf dem Schlitten stand. Ich gehorchte.
Es liegt mir wirklich nicht daran die Herren der Army National Guard hier schlecht darzustellen oder mich ins rechte Licht zu ruecken. Eigendlich lache ich lieber gerne ueber meine eigenen Fehler (von denen ich viele mache) als ueber Fehler anderer Leute.
Trotzdem muss gesagt werden, dass die Motorschlitten ganz klar unzuverlaessig waren und der Commander sich faelschlicher Weise nun dazu entschieden hatte, eine der drei Maschienen mit einem ueberladenem Lastschlitten zu ueberlasten.
Das Gewicht haette weit besser verteilt werden koennen indem ich und der Soldat auf einem der Lastschlitten der anderen Maschienen fuhren.
Einige Kilometer nachdem wir den Rueckzug antraten, kippte die Maschiene auch fast vom Schlitten. Man hielt an und vertaeute sie neu. Schlussendlich ging ich doch zum Commander und tippte ihm auf die Schulter: "Ich werde mich auf einen der anderen Lastschlitten setzen," meinte ich.
"Ok, was auch immer, pass nur auf", meinte er.
Ich suchte mir einen der ungefederten halb mit Gepaeck gefuellten Lastschlitten aus und verkeilte mich mit den Fuessen um guten Halt zu finden. Die Seiten des Schlittens waren nur ca. 10 cm hoch. Inzwischen war es fast dunkel.
Da ich gleich hinter dem Motorschlitten auf Bodenhoehe sass/lag musste ich die Kapuze tief ins Gesicht ziehen als wir weiterfuhren. Die Maschiene warf zu viele kleine Schneebrocken auf um zu gucken und meine Schutzbrille war inzwischen so vereist, dass ich nicht mehr durchgucken konnte. Vielleicht haette auch ich bessere Vorbereitungen treffen sollen ?
Ich wurde im harten Schlitten gut durchgeschuettelt, aber ansonsten gefiel es mir auf dem Boden des Schlittens viel besser als auf dem hohen Sitz des abgeschlepptem Motorschlittens. Auf dem sass jetzt nur ein Soldat.
Wenn die Strasse bergab ging und die Maschiene bremste, behielt der Lastschlitten auf den von Schnee freigeblasenen Strassenstrecken seine Geschwindigkeit bei, begann seitwaerts zu schliddern und versuchte den Motorschlitten damit seitwaerts zu ueberhohlen. Ich verlagerte mein Gewicht und lehnte mich ueber die hohe Seite des Lastschlittens um eine gewisse Bremswirkung zu bewirken, was eigendlich Spass war.
Hinter mir passierte allerdings das selbe mit dem Lastschlitten der die kaputte Maschiene trug. Der vom Motorschlitten gezogene Lastschlitten stellte sich ohne dass die Kufen Griff fanden im Schnee auf dem Asphalt seitwaerts sobald die Zugmaschiene langsamer wurde. Ich konnte mir leicht vorstellen, was passieren wuerde wenn der Lastschlitten samt Maschiene und Passagier umkippen wuerde. Dazu bedurfte es nur eine kleine Schneewehe auf der Strasse. Die seitwaerts rutschenden Kufen wuerden sich in die Schneewehe graben und der Motorschlitten wuerde mit voller Wucht nach vorne kippen.
Wir wuerden einen Verwundeten haben, da die Maschiene mit grosser Wahrscheinlichkeit auf sein Bein kippen wuerde. Meine Bewunderung fuer diese Soldaten, die anscheinend wirklich ihr bestes zu tuen suchten, sank auf -10%.
Ich fluchte leise vor mich hin und dachte ueber eine moegliche Revolution nach, verwarf diesen Gedanken allerdings schnell .
Als ich wieder zurueckguckte, sah ich die beiden Lichter der uns folgenden Maschienen auf der Bergkuppe die wir grade ueberquert hatten. Anscheinend hatten diese dort beim ersten versagendem Motorschlitten angehalten.
Mein 'Fahrer' in dessen Lastschlitten ich fuhr, hatte sich staendig umgeguckt und sah dies ebenfalls. Wir hielten an und warteten. Er hatte keine Lust umzudrehen.
Es gab kaum eine Moeglichkeit sich zu unterhalten ohne zu schreien, und so standen wir schweigend im Wind und starrten gebannt auf den Huegel und das Licht der beiden Motorschlitten. Ein neues Licht blitzte auf, begann zu flackern und starb. "Sie versuchen die andere Maschiene anzuwerfen", bruellte mir der Soldat zu. Tania, die auf dem Ruecksitz seines Motorschlittens gesessen hatte, stand eben uns.

Fuer ueber 10 Minuten warteten wir bevor auf dem Huegel hinter uns die erneuten Reparaturversuche aufgegeben wurden. Ich hatte mich inzwischen wieder in den Windschatten unseres Motorschlittens begeben nachdem ich feststellte, dass die Temperaturen und starken Windboehen beim still stehen langsam durch die 5 Lagen meiner Kleidung drangen. Tania setzte sich neben mich und wir tauschten gutmuetig ein paar Flueche aus. Ich lehnte mich zu ihr hinueber und rief ueber den Wind: " Wunderschoene Gegend, haben sie gesagt. Tolle Leute, haben sie gesagt.... Was stand denn in DEINER Ferien-Brochuere ?" Sie lachte unter ihrem Helm und rief zurueck: " Sie haben gesagt, dass man in McLaren ein Bier kriegen kann und langsam koennte ich eins gebrauchen."
Hinter den Bergen verschwand das letzte Abendlicht.

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Letzte Änderung: Peter_Kamper - Januar 1st, 2009 um 4:26:21am
 Inge
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Re: GinGin 200
(Antworten #31 Datum: Januar 1st, 2009 um 10:39:28am)
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Danke für diesen wunderbaren Bericht (dass ich mir oftmals bei den köstlichen Schilderungen das Grinsen nicht verbeißen kann, ist doch o.k., oder? ).
Peter, Du solltest ein Buch schreiben!

Allen, die hier mitlesen, ein gesundes Neues Jahr!

L.G.

Inge

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Re: GinGin 200
(Antworten #32 Datum: Januar 1st, 2009 um 1:05:05pm)
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Schlussendlich bewegten sich die Lichter der Motorschlitten auf dem Berg und kamen auf uns zu.
Beim naeheren hingucken stellte ich fest, dass der Commander endlich die kaputte Maschiene samt Lastschlitten auf dem letztem Huegel zurueckgelassen hatte. Es gab keine grossen Gesten mehr. Ein kurzes Nicken des Commanders mit dem Helm und ein Winken besagte einfach was auch ich dachte: "Lasst uns zurueckfahren und die ganze Sache nochmals ueberdenken."
Auch der Soldat, der schlussendlich alleine auf dem abgeschlepptem Motorschlitten gesessen hatte war nun auf einen Lastschlitten umgestiegen. Und so fuhren wir weiter Richtung Paxton.
Waehrend der ungefederte Lastschlitten unter mir manchmal kleine Luftspruenge machte und ich mich mit Schulter und Wade abzufedern suchte und immer wieder meine Kapuze tief ins Gesicht zog um Erfrierungen zu vermeiden, dachte ich an die 43 Musher, die es ueber die Berge bis nach McLaren geschafft hatten. Baumlose windige Huegel zogen auf dem Weg nach Paxon an mir vorbei und ich musste unwillkuerlich lachen.
Was fuer ein Witz:
Musher bezwangen die Strecke bis nach McLaren um nach 6-stuendiger Rast eine kalte 170 km Strecke auf dem Flusseis des McLaren und Susitna River anzutreten.
Ich befand mich mit modernster maschineller Ausruestung zurueck auf dem Weg nach Paxton.
Den Musher-Regeln nach waren wir mit unserem Rueckzug nach Paxton vom Rennen disqualifiziert worden. Dieser Witz sass mir zwar etwas bitter in der Kehle, aber zeigte mir erneut was ich immer schon vermutete: 'Die Verbindung zwischen Hund und Mensch kann weit mehr ueberwinden als moderne Technologie sich ertraeumt.'
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Als ich in Paxton ankam, versorgte ich erst einmal meine Kameratasche. Diese war mit Schnee gefuellt, da ich einen Reissverschluss nicht ganz zugezogen hatte.
Ich schuette den Inhalt der Tasche an der Eingangstuer auf den Teppich und bliess den Schnee von der Ausruestung bevor er tauen konnte.
Den Rucksack mit meinem Computer oeffnete ich nur weit genug um sicher zu sein, dass nicht zuviel Schnee durch die Verschluesse gedrungen war, dann liess ich ihn liegen. Er war ueber die 5 Stunden unserer Reise auf -40C abgekuelt und ich wollte ihn langsam erwaermen bevor ich ihn auspackte.
Als ich die kleine Canon G7 Kamera aus einer meiner vielen Aussentaschen hervorkramte, war diese mit einer sanften, glatten Eisschicht bedeckt. Sie war schon vor der Videokamera ausgefallen.
Ich breitete meine eisverkrustete Ausruestung auf einem Tisch des Restaurants aus und ging in die Kneipe.
"Peter, du hier ? Was ist passiert ?"
"Probleme mit Motorschlitten....". Ich versuchte mich kurz zu halten. Es gab keinen Grund die Soldaten schlecht hinzustellen.
Fuer viele Leute die in Paxon leben ist eine Fahrt mit Motorschlitten bis nach McLaren allerdings ein eher kleiner Ausflug und die Idee, dass die Alaska Army National Guard es nicht geschafft hatte bis nach McLaren zu kommen erzeugte einiges an Gelaechter.
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Als drei Soldaten der Alaska Guard in die Kneipe kamen wurde es still. Ich ging rueber und meinte zum Commander, der das aufgebende Team zurueckgebracht hatte: "Was macht ihr jetzt ?"
"McLaren braucht heute nacht noch die Medikamente fuer den Tierarzt in McLaren. Wir werden in 30 Minuten mit drei Motorschlitten wieder losfahren."
"Kann ich mitfahren ?", fragte ich.
Er schuettelte den Kopf: " Drei Motorschlitten, nur unsere besten Fahrer. Tut mir Leid. Nein."
Ich verstand seine Logik, ... ich haette die selbe Entscheidung getroffen.
Tatsaechlich erreichten die drei Maschienen mit der wichtigen Ausruestung fuer die anwesenden Tieraerzte den Checkpoint McLaren kurz vor 1 Uhr morgens.

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Re: GinGin 200
(Antworten #33 Datum: Januar 1st, 2009 um 3:52:33pm)
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Es ist schon wirklich erschreckend zu erfahren, wie vermeintlich geschulte Leute, sich unter solch widrigen Umständen, verhalten.
Wenn ich als Rookie mir solche Fehler erlaube.....

gut, dann ist es mein eigenes Ding !

Aber die 'Alaska National Guard' sollte doch nun wirklich erfahren genug sein ?

Nun, sei es drum, und ich bin froh, dass Du lieber Peter wieder heil angekommen bist.
Wünsche allen ein frohes, neues Jahr !

Grüße

Knalli  

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Re: GinGin 200
(Antworten #34 Datum: Januar 3rd, 2009 um 5:35:23am)
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Habe jetzt einen kleinen Ausschnitt der 'Motorschlitten-Tour' auf You-Tube hochgeladen. Da die Lufttemperatur ja um -35 bis -40C lag, sind mir ja spaeter leider die Batterien eingefrohren, aber hier wenigstens etwas:
http://www.youtube.com/watch?v=g86b9TPKMSg  
Peter

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