Alaska-Info Forum
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           Thema von: Husky_Heinz am 03/22/12 um 13:16:13

Titel: Kanutour Beaver Creek
Beitrag von: Husky_Heinz am 03/22/12 um 13:09:20
Beaver Creek bis Yukonbrücke 654 Km Kanutour Heinz und Helge 2010


Zwei Jahre Vorbereitung auf unsere erste Kanutour in der Wildnis Alaskas, dann war es so weit. Am 30.09.2010 ging unser Flugzeug von Frankfurt nach Fairbanks. Wie vereinbart, holte uns Peter am Flughafen von Fairbanks nachmittags um 15.00 Uhr ab. Die Fahrt war schon etwas anders als bei uns in Deutschland, der Verkehr ist nicht so dicht und die Verkehrsschilder sind bedeutend weniger, aber sehr übersichtlich. Die Fahrt zu Peter dauerte keine 20 Minuten und wir standen vor der Blockhütte, die wir für die nächsten zwei Tage beziehen sollten. Nachdem wir unsere Koffer abgestellt und uns etwas eingerichtet hatten, trafen wir uns auf der Veranda zum ersten Informationsgespräch für die Kanutour. Das Wetter war nicht besonders, es waren dunkle Wolken zu sehen und es regnete ab und zu. So sollte es die nächsten Tagen bleiben, regnerisch und sehr viele Wolken. Wir lernten an diesem Nachmittag bzw. Abend noch Alex und Tim kennen, zwei 25 Jahre alte Deutsche, die sich zwei Jahre eine Auszeit nehmen wollen um Alaska besser kennen zu lernen. Sie verdienen ihren Unterhalt mit Gelegenheitsarbeiten  und brauchen zusätzlich ein kleines Budget auf, das sie sich bereits zu Hause für diese Tour angespart haben. Den Yukon von Kanada aus bis nach Fairbanks sind beide mit dem Kanu gefahren. Jetzt wollen beide wie Helge und ich auch den Beaver Creek befahren, aber nur die kurze Strecke im Oberlauf. Am Abend lernten wir noch Mario und Holger kennen, auch zwei Deutsche die seit vielen Jahren im Juni zu Peter kommen und Ende September wieder nach Deutschland zurück fliegen. Beide arbeiten mit einem Arbeitsvisum was so anfällt, haben sie uns erzählt. Wir waren von unserem ersten Tag hier bei Peter schon sehr beeindruckt.
Den zweiten Tag ließen wir etwas locker angehen. Nach dem Frühstück zeigte uns Peter unser Kanu, mit dem wir einen Tag später dann los paddelten. Am Vormittag wurden die Lebensmittel für die vorgesehenen 21 Tage eingekauft. Peter gab sehr gute Tipps, was für eine solche Tour wichtig und notwendig ist. Danach wurde alles was wir mit in die Wildnis nehmen wollten in luftdichte und geruchsichere Tüten eingepackt. Jetzt wurde es langsam ernst. Die ganzen Sachen, die Helge und ich mitnehmen wollten, wurden in wasserdichte Motorradsäcke verstaut und es wurde das Kanu „probegepackt“. Auf die Gewichtsverlagerung machte uns Peter aufmerksam und vieles mehr, was sehr wichtig ist beim Packen des Kanus. Konzentriert hörten wir Peter zu und versuchten seine Aussagen in die Tat umzusetzen, was uns sehr gut gelang. Jetzt stand uns nichts mehr im Wege, morgen geht es los. Endlich……..

Am Sonntag dem 05.09.2010 um 12.00 Uhr nachmittags ging unser lang ersehnter Traum in Erfüllung, wir legten am oberen Nome Creek ab. Verabschiedeten uns noch von Peter, Alex und Tim und dann fuhren wir bei kristallklarem Wasser los. Der Wasserstand war nicht sehr hoch und wir mussten schon nach zweihundert Metern das erste Mal aussteigen und das Kanu über den Kies ziehen. Immer wieder wurden wir gezwungen auszusteigen und das Kanu zu ziehen, dann fuhren wir eine Zeitlang wieder und stiegen wieder aus. So ging das bis abends bis wir eine sehr große Kiesbank sahen und beschlossen, dort unser erstes Camp aufzuschlagen. Das Camp war recht schnell aufgebaut, das Feuer für unser erstes Abendessen brannte und schon waren wir beim Abendessen. Nach dem Aufräumen setzten wir uns vor unseren Zeltvorbau und schauten dem mittlerweile immer mehr werdendem Regenschauer zu. Wir beschlossen einen Tag hier zu bleiben und uns mal die Gegend anzuschauen. Die ganze Nacht regnete es fast ununterbrochen. Zweimal schauten wir nach dem Wasserstand, wie Peter es uns gesagt hatte. Unser „Wasserstein“ den wir am Wasserrand als Markierung hingelegt hatten zeigte uns, dass der Wasserstand ein wenig angestiegen, aber nicht beunruhigend war. Am nächsten Tag holten wir die Angel heraus und Helge fing gleich eine sehr große Esche, die in Alufolie gleich auf das Feuer gelegt wurde und sehr gut schmeckte.


Titel: Re: Kanutour Beaver Creek
Beitrag von: Husky_Heinz am 03/22/12 um 13:11:22
Wie die anderen, die wir in den darauf folgenden Tagen noch fangen sollten. Am Morgen des dritten Tages, schlugen wir unser Camp ab und um 8.00 Uhr morgens ging die Tour weiter. Das Kanu war gut gepackt und wir mussten nicht mehr so oft aussteigen, um das Kanu zu ziehen; der Wasserstand hatte sich etwas gebessert. Anstrengend war es auf jeden Fall immer noch. Der Regen und der Wind machten uns ganz schön zu schaffen. Wir waren froh, als wir nachmittags wieder eine große Kiesbank fanden und unser zweites Camp aufbauten. Hier verbrachten wir dann zwei Tage. Wir angelten und stellten unsere Verpackungsweise etwas um. Was uns bis dahin ein wenig umständlich erschien, wurde jetzt etwas praktischer gepackt. Um das Camp auf- bzw. abzubauen und das Kanu zu packen, ging nun in viel kürzerer Zeit. Bisher hatten wir nur Wolken und immer wieder Regen gehabt, heute sahen wir etwas blauer Himmel und am Nachmittag waren die Wolken ganz weg und die Sonne schien. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, es sollte so die nächsten 28 Tage bleiben, was in den letzten 30 Jahren in Alaska nicht mehr der Fall war. Man spricht sogar vom längsten Indian - Summer seit der Wetteraufzeichnung. Ein Hochdruckgebiet hatte sich über Alaska festgesetzt. Da wir das von der Wetterlage nicht wussten, beschlossen wir jeden Tag an dem die Sonne schien zu paddeln. Wir hatten ja erlebt wie es ist bei Regen und Wind zu fahren. Spiegelglattes Wasser, dunkelblauer Himmel und die gelben und roten Blätter der umfärbenden Birken und Laubwälder waren ein Traum. Das Kanu schob sich Meter um Meter an der Landschaft vorbei, so dass man glauben konnte, man sitzt in einem Kino und die wunderschöne Landschaft zieht an einem vorbei. Ständig hatten wir neue Landschaftsbilder vor uns, der Beaver Creek windet sich wie ein Wurm durch die Landschaft. Die White Mountains waren sehr schön zu sehen und in den darauf folgenden Tagen fuhren wir an den Berghängen langsam vorbei. Wir waren begeistert und konnten wunderschöne Bilder machen. Da wir die schönen Tage ausgenutzt hatten und jeden Tag von morgens 8.00 Uhr bis abends ca. 16.30 Uhr paddelten, legten wir schon eine ganz schön lange Strecke zurück. Am Abend des 8.Tages sahen wir Jäger, die auf Elchjagd waren. Wir fragten sie, ob sie uns vielleicht unseren genauen Standpunkt auf der Karte zeigen könnten, wir waren uns nicht so ganz sicher, wo wir uns zurzeit befanden. Die zwei Jäger waren sehr freundlich und zeigten uns auf der Karte unseren Standort. Wir waren erst überrascht und wollten es gar nicht glauben, wir waren gegenüber vom Victoria Creek also schon am Flugplatz,  an dem Alex und Tim 10 Tage später ausgeflogen werden sollten. Wir fragten die Jäger auch wie denn das Wetter in den nächsten Tagen werden sollte und die sagten uns, dass es noch ein paar Tage so schön bleiben sollte. Helge und ich beschlossen, weiterhin jeden Tag, an dem die Sonne schien, zu paddeln und das schöne Wetter auszunutzen. Die nächsten Tage wurden von der Landschaft her immer ebener. Wir sahen die Berge nur noch in der Ferne und einen Tag lang fuhren wir nur an verbrannten Bäumen vorbei, die 2004 einem Feuer zum Opfer fielen. Bieber sahen wir die ganzen Tage immer wieder. Ab und zu erschraken Helge und ich, wenn ein Bieber neben unserem Kanu mit dem Schwanz auf das Wasser haute und abtauchte, was sich anhörte, wie wenn jemand einen großen Stein ins Wasser werfen würde. Bieberburgen überall und Spuren von abgenagten Bäumen und Weidensträucher, sahen wir die ganze Tour hindurch überall an der Kanustrecke. Einen Luchs sahen wir am 10. Tag morgens, als wir losfuhren, gleich ca. 1000 m nach unserem Campplatz. Der Luchs war am Beaver Creek Wasser saufen und schaute uns ganz erschrocken an, dann sprang er ins Dickicht und war verschwunden. Mehrere Weiskopfseeadler konnten wir bei der Tour beobachten und auch aufnehmen. Schneehühner, Enten, Schwäne, Gänse, Kraniche, zwei Eulen, ein kleiner Marder und einen Polarfuchs konnten wir sehen bzw. beobachten. Aber uns blieb der Anblick eines Bären, Wolfes oder Elches als „Fabelwesen“ in Erinnerung. Weder Schwarzbär noch Grizzly, Wolf oder Elchbullen, nichts war zu sehen von denen. Ach doch, ich habe immer nur die Elchbullen, die wir vielleicht hätten sehen können wenn die Jäger nicht so schnell gewesen währen, auf den Schlauchbooten gesehen. Hier lagen die abgetrennten Köpfe mit Geweihen der Elche auf dem Bootsdach festgebunden und das Fleisch wurde in den Alukisten schön klein geschnitten, bis zum Flughafen gefahren und dann ausgeflogen aus der Gegend. Anschließend schauten sich die Jäger nach dem nächsten Elchbullen in der Gegend um………..


Titel: Re: Kanutour Beaver Creek
Beitrag von: Husky_Heinz am 03/22/12 um 13:13:12
Wir bzw. ich stellte fest, dass die Natur jeden Fehler den  man macht erbarmungslos ausnützt und bestraft. Als wir das Kanu noch im Oberlauf ziehen mussten schaute ich nicht vor mich in die Richtung in der wir das Kanu zogen sondern in der Gegend herum und schon rutschte ich in ein tiefes ausgewaschenes Loch im Fluss und das Wasser stand in den Wattstiefeln. Also Wattschuhe ausziehen, trocknen, Strümpfe und Hose wechseln. Ein paar Tage später lag ein Baum im Wasser und wir mussten aussteigen um das Kanu vorbei zu ziehen. Auch hier schaute ich nicht vor mich und rutschte aus und lag im kalten Wasser. Was ein Glück schien die Sonne und wir hatten uns einen „Notsack“ zusammen gestellt für so einen Fall. Ich musste mich komplett umziehen und die Watthosen wurden mit Einmaltüchern ausgetrocknet. Das ganze dauerte fast eine Stunde. Gelästere von Helge musste ich mir auch noch anhören, was aber sehr viel Spaß gemacht hat.
Wir fuhren schon 13. Tage und der Unterlauf wurde immer breiter, die Abschnitte der nächsten Kurve oder Ecke wurden immer länger. Die Uferböschung wurden immer höher und man konnte sehen wie gewaltig die Wassermassen waren, die hier im Frühjahr nach der Schneeschmelze herabgeschossen kamen, was die Natur hier für eine Kraft hinterlässt. Bäume hingen halb umgeknickt herunter, im nächsten Frühjahr werden diese bestimmt weggespült werden. Der Beaver Creek windet sich im Unterlauf noch mehr als im oberen Teil und wir wussten nicht mehr wo wir uns befanden. Wir paddelten und paddelten und hofften endlich auf den Zulauf vom Beaver Slough, der von rechts kommen sollte, aber nichts war zu sehen. Zwei Tage dachten wir, morgen werden wir an den Beaver Slough kommen, dann ist es nicht mehr weit bis zum Nebenfluss des Yukon. Am 14. Tag morgens um 7.00 Uhr, wir waren gerade dabei zu frühstücken, hörten wir ein Motorgeräusch, das immer näher kam und da sahen wir ein Boot. Ich winkte und das Boot fuhr auf unsere Kiesbank. Drei Indianer, Vater, Sohn und Enkel würde ich mal sagen, stiegen vom Boot. Der Ältere hatte ein Gewehr im Arm und ich fragte, ob er uns helfen könnte und uns auf der Karte zeigen könnte, wo unser Standpunkt jetzt sei. Er zeigte uns den Standpunkt und sagte, dass es noch ca. 40 Meilen bis zum Yukon und ca. 120 Meilen bis zur Yukonbrücke sei. Helge und ich waren sehr froh über die Auskunft und fragten nach. ob sie von unserem deutschen Vollkornbrot etwas abhaben möchten und mit uns frühstücken möchten. Das Vollkornbrot probierten sie und meinten es sei gut, aber so „körnig“. In einem Wasserkessel, der auf unser Lagerfeuer gestellt wurde, machten sich die drei ihre Lebensmittel etwas warm und schauten sich in der Gegend etwas um. Kurze Zeit später sahen wir, dass alle sich Schlaffsäcke vom Boot geholt und sich zwei schon hingelegt hatten. Der Ältere von den drei kam dann noch mal zu uns und schenkte uns zwei Äpfel und zwei Apfelsinen, dazu ein Glas mit eingelegtem Lachsfleisch, das geräuchert war. Wir waren überrascht für die Gastfreundschaft und bedanken uns. Kurze Zeit später legten wir mit dem Kanu ab und winken noch mal. Zwei schliefen schon und der dritte legte sich nach unserer Abfahrt auch zum Schlafen hin. Denken, dass sie die ganze Nacht auf den Beinen waren. Für Helge und mich war es ein unvergessenes Erlebnis der besonderen Art; wann hat man schon mal die Gelegenheit Indianer kennen zu lernen…………………..und das hier in der Wildnis von Alaska.
Zwei Tage später legten wir morgens wieder um 8.00 Uhr ab und paddelten los. Nur heute sollte es ein ganz besonderer Tag werden, den Helge und ich in unserem ganzen Leben nicht mehr vergessen werden. Es war wie in den vorangegangenen Tagen auch, das Wasser vom Beaver Creek wurde immer brauner und die Kies- und Sandbänke immer grauer und matschiger. Immer lehmiger und morastiger wurden die Uferränder. Wir wollten kurz anhalten, um eine kleine Pause zu machen. Ich stieg aus dem Kanu und blieb mit den Wattschuhen im Schlamm stecken. Die Schuhe sackten fast 10 cm in den Schlamm ein und ich hatte Mühe wieder ins Kanu einzusteigen, da mir der Schlamm die Wattschuhe fast auszog.


Titel: Re: Kanutour Beaver Creek
Beitrag von: Husky_Heinz am 03/22/12 um 13:15:02
Also keine Pause, weiter Richtung Yukon. Es wurde 17.00 Uhr und keine Kiesbank war zu sehen. Auf einmal sahen wir die Einmündung vom Beaver Slough, auf die wir schon so lange gewartet hatten. Die Freunde war riesengroß und setzte noch mal Kräfte frei. Wir Richtung Nebenarm vom Yukon. Es wurde 19.00 Uhr, keine Möglichkeit zu sehen, um ein Camp aufzuschlagen, aber wir sahen die Einmündung vom Nebenlauf des Yukon. Wir wurden immer schneller und dann fuhren wir auf dem Yukon. Laut Karte so ca. 5 km. Wir also weiter. Wir wollten auf die Insel, die Peter uns vorgegeben hatte, für einen Campplatz. Es wurde 20.00 Uhr, die Sonne ging langsam am Horizont unter. Wir paddelten und dann war es soweit, wir führen mit unserem Kanu auf den Hauptlauf des Yukon. Das Wasser war spiegelglatt, es war Windstille und wir fuhren direkt auf den Sonnenuntergang zu. Der Horizont war dunkelrot, der Himmel dunkel blau und alles spiegelte sich auf dem Wasser. Die Ausmaße des Yukon kann man gar nicht beschreiben, ich dachte, ich fahre Kanu auf dem Meer, so gigantisch groß und breit ist der Yukon, dass man es gar nicht richtig beschreiben kann. Wir paddelten und paddelten und man hatte den Eindruck man kommt gar nicht vorwärts. Die Sonne ging unter und es wurde dunkler und dunkler und dann hörten wir auf einmal ein Knarren und Schaben; wir waren auf eine Sandbank mitten im den Yukon aufgelaufen. Wir mussten aus dem Kanu und zogen es langsam wieder ins etwas tiefere Wasser. Mittlerweile war der Mond aufgegangen, der uns etwas Licht spendete und wir die Insel sahen. Wir mussten noch eine Stunde paddeln, bis wir den Kiesstrand erreichten. Um 22.30 Uhr legten wir nach 14.30 Stunden paddeln an der Insel an. Wir bauten unser Camp auf und legten uns nach einer Kleinigkeit zu Essen todmüde und saft- und kraftlos in unsere Schlafsäcke. Die Nachtruhe dauerte nicht lange und zwei Kautze gluckten den Rest der Nacht ständig herum. Wäre im Normalfall auch sehr schön gewesen die zwei zu beobachten, nur heute war es der schlechteste Tag dafür………………Wir stehen erst um 8.00 Uhr auf, wollen einen Tag ausruhen. Ich ziehe den Reisverschluss vom Zelt auf und schaue mir die Gegend an. Helge kommt dazu, wir schauen uns an und sagen “komm hier bleiben wir nicht“. Also zwei Stunden später sind wir mit unserem Kanu Richtung Stevens Village unterwegs. Es ist Sonntag der 14. Tag der Tour, wir sehen die Häuser von Steven Village und legen am Strand an. Wir laufen ins Ort und sehen eine Einwohnerin die wir fragen, wo man hier telefonieren könne. Die Poststadion sei leider am Sonntag geschlossen und Sie habe kein Telefon. Wir laufen etwas weiter und ein Husky kommt zu uns gelaufen und läuft mit uns durch die Stadt. Wir sehen eine Junge Indianerin und fragen nach einer Möglichkeit zu telefonieren. Sie gibt uns ihr Handy und sagt „hier ruft kurz an“. Peter ist ganz überrascht, dass wir schon in Stevens Village sind und machen eine Uhrzeit für den nächsten Tag an der Yukonbrücke aus. Wir bedanken uns für die zur Verfügunkstellung des Handys und geben ihr 10 Dollar als Dankeschön, die sie nur wiederstrebig und nach langem zureden dann doch noch annimmt. Wir fahren weiter und schlagen unser letztes Camp der Tour auf einer sehr großen Kiesbank auf, vor einem Holzhaufen, der für drei Wochen Brennholz liefern könnte. Wir machen das größte Lagerfeuer der Tour und sitzen bis nach Mitternacht am Lagerfeuer und genießen unseren allabendlichen Whisky intensiv und voller Zufriedenheit. Die letzte Nacht ist wohl die kälteste der Tour, ein paar Grad unter 0 hatten wir schon gehabt, aber diese Nacht wollte von uns noch mal alles abverlangen. 10 Grad Minus zeigte das Thermometer morgens an. Bis ich morgens meine Hose, Pullover, Jacke und Schuhe anhatte war schon sehr hart, wenn man bedenkt, dass ich nur in kurzer Unterhose und einem T-Shirt vor dem Zelt stand.
Der letzte morgen in der Wildnis von Alaska war schon irgendwie anders. Auf der einen Seite wussten wir, heute sehen wir die Yukonbrücke und haben dann unser Ziel erreicht, auf der anderen Seite ist die wunderbare Tour zu Ende………………Doch bis zur Yukonbrücke sind es noch etliche Meilen und Stunden. Nach dem Frühstück legten wir im aufsteigenden Nebel des Yukon zur letzten Etappe der Tour ab. Der Nebel war recht dick, hatten ca. 10 Meter Sicht, aber das Wasser war am frühen Morgen sehr glatt und sehr gut zu befahren. Ich war froh, dass es den Nebel gab, die Länge von einer Kurve bis zur nächsten was „unendlich lang“.


Titel: Re: Kanutour Beaver Creek
Beitrag von: Husky_Heinz am 03/22/12 um 13:16:13
Wir paddelten drei Stunden, der Nebel löste sich nach und nach auf. Wir sahen vereinzelt am Ufer des Yukon Blockhütten und Häuser stehen und dachten uns, hier leben in der Abgeschiedenheit und der Wildnis doch noch vereinzelt Leute. Wie wir von Peter später erfuhren, leben dort noch ein paar Trapper und Fallensteller. Der Wind und die Wellen nahmen zu, die Wellen wurden etwas höher und wir mussten schon kräftig das Paddel einsetzen um vorwärts zu kommen. Wir paddelten und am Horizont veränderte sich nichts. Stunden vergingen und wir sahen keine Brücke, die Strecke zog sich in einer lang gezogenen Rechtskurve. Helge sagte dann zu mir „Heinz, siehst du den weißen Strich auf dem Berg ganz da vorne?“ Ich schaute und sagte dann, das ist die Alaskapipline und die liegt neben dem Highway. Da muss die Yukonbrücke sein und kurz darauf sahen wir den ersten Brückenpfeiler. Die Freude auf unserem Kanu war so laut, dass die Bären und Elche in der Umgebung das Weite suchten. Die Brücke kam immer näher, unsere letzten Kräfte wurden frei gesetzt und als wir um genau 13,00 Uhr unser Kanu hinter der Yukonbrücke an Land zogen, waren Helge und ich die wohl Glücklichsten und zufrieden dazu. Nach 15 Tagen hatten wir die 654 Km lange Strecke bewältigt. Wir waren überglücklich.
Wir packten das Kanu aus und legten alles zum Abtransport aufgereiht am Strand hin. Peter kam um 14.00 Uhr, wir luden alles ein und auf der Heimfahrt zu Peter erzählten wir schon mal was wir alles erlebt und gesehen hatten. Die Zeit war ja da, wir fuhren fast zweieinhalb Stunden, bis wir bei Peter zu Hause ankamen. Kelly hatte für diesen Abend einen Turky für alle vorbereitet. Peter hatte Mario, der zwei Tage später nach Deutschland zurück flog. Holger der mit uns nach Deutschland zurück flog ein Abschiedsessen vorbereitet. Was die ganze Tour noch schöner und wunschlos glücklich abschloss. Alex und Tim sahen wir leider nicht mehr, die zwei sind zwei Tage zuvor zu einem Mascher gefahren und werden dort den Winter mit den Huskies und Hundeschlittenfahren verbringen. Beide wurden für die Vorbereitung auf die Hundeschlitten Saison eingestellt. Was bestimmt ein weiteres Erlebnis werden wird.
Für Helge und mich gab es keine Ruhepause. Peter meinte, wir sollten uns gleich morgen ein Auto mieten, uns Alaska anschauen und eine Tour machen. Was wir auch am nächsten Tag in die Tat umsetzten und nach 8 Tagen und ca. 1800 Meilen bei wunderbaren Wetter,  nur blauem Himmel und der schönen Landschaft von Alaska, zu Peter zurück kehrten.

Mein Fazit der Kanutour :

Ich kann jedem diese Tour auf dem Beaver Greek nur empfehlen. Die Landschaft ist unglaublich schön. Es macht richtigen Spaß und man kommt als „anderer Mensch“ mit vielen Eindrücken der Wildnis zurück. Die Organisation von Peter, die Beratung bei allem, ob es der Einkauf der Lebensmittel oder die Kartenbesprechung war, alles war super. Hier noch mal ein ganz großes Dankeschön an Peter.
Eine Empfehlung von mir an diejenigen, die eine solche Tour machen möchten und sich dafür entscheiden. Für die Watthosen sollte man sich Filzstrümpfe oder Filzüberzieher mitnehmen. Die Füße werden nur mit ein paar Strümpfen sehr kalt, was nicht so angenehm ist.
Auch sollte man sich überlegen ein GPS mitzunehmen, um seine Position auf der Karte besser zu orten. Es ist dann viel einfacher und beruhigender, wenn man weiß, wo man sich befindet.

Text und Bilder von Heinz Mayer Bischofsheim im September 2010