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           Thema von: Peter_Kamper am 01/03/09 um 05:35:23

Titel: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/26/08 um 06:37:08
Am 27.12 startet das GinGin200, ein Yukon Quest und Iditarod Qualifikationsrennen, das ueber ca. 300 km entlang des Denali Highway in der Alaska Range ausgetragen wird und von dem zweimaligem Yukon Quest Gewinner John Schandelmeier und seiner Frau Zoya ins Leben gerufen wurde.
Musher muessen saemtlichen Proviant und alle Ausruestung fuer dieses Rennen von der Startlinie aus mitnehmen. Der Denali Highway ist im Winter geschlossen, was heisst, dass der einzige Checkpoint - McLaren River Lodge - fuer freiwillige Mitarbeiter nur ueber Motorschlitten erreichbar sein wird.
Dem jetztigen Stand nach werden 47 Musher am Start des Rennens antreten. Dies ist ein beachtliches Feld.
Unter den Teilnehmern befinden sich bekannte Namen wie Jeff King, Lance Mackey, Ken Anderson, Aily Circle (Yukon Quest Gewinner 2000, die erste Frau die das Rennen jemals gewann), Mitch Seavy und auch Sebastian Schnuelle.
Viele der erfahreneren Langstreckenmusher nehmen mit ihren Teams an einem kuerzem wohlorganisiertem Rennen wie dem GinGin teil um ihre Hunde an die vielen Zuschauer und an andere Teams zu gewoehnen obwohl natuerlich auch das Geld eine Rolle spielt.
Das GinGin 200 ist in eine Damen-Kategorie (19 Teilnehmer) und eine Herren-Kategorie (28 Teilnehmer) eingeteilt.
Die an die ersten drei Musher der jeweiligen Kategorie ausgeteilten Gelder belaufen sich auf 5000 $ (x2).
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Ich wurde netter Weise von John und Zoya zum Rennen eingeladen um Videos und vielleicht ein paar Photos zu schiessen. In diesem Sinne werde ich ein paar Vorbereitungen vor Beginn des Rennens in Paxton filmen und am naechsten Morgen (27.12) den Start des Rennens versuchen zu dokumentieren. Paxton Lodge hat nicht viel an Internet zu bieten. Updates und Film-Clips koennten ein Problem sein.
Nach dem Start werde ich (so ist es zumindest geplant) mit der 'Army National Guard' mit Motorschlitten 75 km bis zum McLaren River zum Checkpoint des Rennens fahren. McLaren sollte Satellitenanschluss ans Internet haben. Mit etwas Glueck sollte ich von dort ein paar Sachen hochladen koennen.
Neben dem Filmen ist es allerdings wahrscheinlich auch Teil meiner Aufgabe Infos zurueck nach Paxton zum Wohnsitz von John und Zoya Schandelmeier zu liefern. Waehrend John Schandelmeier Rennrichter entlang des Trails ist, wird seine Frau Zoya das Blog des Rennens von zuhause aus auf dem neusten Stand halten. Sie hat vor 8 Wochen ein Baby bekommen und ist deshalb dieses Jahr nicht auf dem Trail, wird aber naechstes Jahr wieder den Iditarod angehen.

Die Updates des Rennens koennen entweder unter  http://www.gingin200.com/RaceCoverage.html  
oder im Blog des Rennens unter
http://gingin200.blogspot.com/  gefunden werden.
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Die Wettervorhersage fuer den GinGin 200 - Trail spricht von Windboehen bis zu 45 km/h am Freitag und Samstag mit Temperaturen um -20 bis -25 C. Samstag abend sollen die Winde mit Einfluss eines arktischen Hochdruckgebiets mit 25 bis 35 km/h aus Norden zu kommen. Nachttemperaturen werden Schaetzungen nach dann auf -40 C sinken.
Tageshoechsttemperaturen am kommendem Sonntag werden dann der Wetterwarte nach zwischen -30 und -35 C liegen, was den Auskuehlfaktor (Wind Chill Faktor) auf bis zu - 50 C senken wird.

Falls ich eine Chance habe Videos fuer's Rennen hochzuladen werden diese wahrscheinlich zu erst auf der www.gingin200.com Seite auftauchen.
Allerdings arbeite ich seit ueber 13 Jahren mit dem Yukon Quest und es gibt nur eine Regel auf die man sich bei solchen Wildnisrennen verlassen kann:
"Organisiere alles gut durch, schreibe alles auf damit sich auch jeder daran erinnert was sie/er zu tuen hat und atme einmal tief durch, wenn das Rennen endlich beginnt....
..... denn 12 Stunden spaeter kannst du saemtliche sorgsam gemachten Plaene eh aus dem Fenster werfen."

Auch ich muss eingestehen, dass ich noch nie ein Schlittenhunde-Rennen in Alaska gesehen habe das so lief wie es geplant war.
Aber was nicht ist, kann ja noch werden....  ;D

Das Rennen sollte allerdings sicherlich spannend werden.

Peter


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Chriskat am 12/27/08 um 13:28:41
Danke Dir Peter
für die ersten Informationen zum GinGin 200. Habe mir soeben beim Sender Phoenix den ersten Geschmack auf die bevorstehenden Rennen geholt. Morgen um 19.30 Uhr kommt der 2. Teil vom Yukon Quest 2003.
Bei uns hier im Norden von Brandenburg kommt nicht so richtige Winterstimmung auf, obwohl es seit gestern etwas Nachtfrost gab, aber leider keinen Schnee. Umso mehr beneide ich all die, die davon genug haben und freue mich auf Deine Berichte vom bevorstehenden GinGin 200. Das Teilnehmerfeld ist erstklassig besetzt und es wird bestimmt spannend. Start ist um 11:00 Uhr Ortszeit, bei uns also heute Abend um 20:00 oder 21:00 Uhr?
Gruß an alle Schlittenhundebegeisterte

Gruß Christian


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/28/08 um 11:46:57
Als ich am Freitag vor dem Rennen die 250km von Fairbanks nach Paxton zuruecklegte, hielt ich kurz vor Summit Lake, einem grossem Bergsee.
Heftige Windboehen wirbelten Eiskristalle durchs Tal und bogen die kargen Streucher der Gegend."Wow", sagte ich zu mir selbst:"Das muss gefilmt werden."
Ich griff meine Kamera und oeffnete die Fahrertuer einen Spalt waehrend der Truck vom Wind geruettelt wurde.
Bevor ich reagieren konnte, eiss eine Boehe mir die Tuer aus der Hand und schmiss sie bis zum Anschlag auf. Die Tuer aechzte in den Angeln und ies bedurfte zweier Haende um sie wieder zuzuziehen.Mein dummes Gesicht waere sicherlich sehenswert gewesen.
Vielleicht haette ich in Windrichtung parken sollen ? Der Truck schauckelte leicht im Wind.
Kurz darauf stieg ich aus und filmte, bis mir die handschuhlosen Haende brannten, was nicht lange dauerte. Dann fuhr ich weiter.Zu Zeiten war die Strasse im Sturm kaum zu sehen."Na, das wird ja ein interessantes Rennen werden", dachte ich mir.Damit sollte ich Recht behalten.

Nach meiner Ankunft machte ich mich daran John Schandelmeier beim Ausrichten der Parkmoeglichkeiten fuer Musher zu helfen. 47 Teams mussten geparkt werden und John, der dies eigendlich schon tagsueber erledigt haben wollte war erst etwas zu spaet mit seinen Hunden vom Fallenstellen zurueckgekommen (er ist Trapper) und
und dann in seiner eigenen Einfahrt mit dem Truck steckengelieben. Wir waren also etwas spaet dran, aber keiner regte sich auf.
Ich merkte sehr schnell, dass dieses Rennen eine etwas andere Athmosphaere als das Yukon Quest hatte. Alle waren gut gelaunt und die Kneipe der Paxton Lodge fuellte sich schnell mit Mushern, die sich gegenseitig Neuigkeiten vom Trail und die neusten Geruechte oder alte Geschichten erzaehlten.Die Wettervorhersage sprach von bis zu 50 km/h Winden,
aber keiner war besorgt. Fast alle hatten dies schon einmal erlebt. "Ausserdem", so meinte Sebastian Schnuelle, "geht der Trail ja entweder am Denali Highway entlang oder ueber's Eis des McLaren und Susitna River.Da musst du schon ganz schoen doof sein um dich zu verfahren...."
Es war ein eher gemuetlicher Abend in der Paxton Lodge.Selbst die 10 Soldaten der Alaska National Guard, die in ihrer Kampfmontur in der Kneipe ankamen um beim Rennen zu helfen zeigten sich von der Athmosphaere eher begeistert.

Als ich zu einem Spaziergang ueber den Hof lief um mit den Mushern zu reden die an ihre ueber 450 Hunde Abendmahlzeiten austeilten, war auch dort die Atmospaehre eher gelockert.Die abendliche Temperatur lag um -18 C, perfektes Rennwetter. Zum allgemeinen Erstaunen war es im geschuetztem Tal voellig windatill obwohl ein Trailbreaker berichtete, dass 20 km ausserhal die Hoelle los war."
Uberall schlabberten Hunde schmatzend ihre Naepfe  leer waehrend die, deren Futter grade noch zubereitet wurde klaefften, heulten oder mit einer gewissen Genugtuung gegen die Reifen der Autos ihrer Besitzer pinkelten. Die Atmosphaere des Rennens lag in der Luft.
Lance Mackey wuerde mit drei Teams im Rennen antreten obwohl er natuerlich selbst die besten Hunde fuehren wuerde. Als ich zu ihm rueber ging hatte er schon seinen Schlitten vom Truck heruntergezogen waehrend seine beiden anderen Musher, Braxton Peterson und Harry Alexie, Hunde fuetterten und ihre eigenen Schlitten versorgten."Ja, ja," meinte er: "ICH packe meinen Schlitten komplett zuhause so dass ich mir spaeter keine Gedanken um den ganzen Mist machen muss." Mit einem Blick auf seine von ihm trainierten Verwandten fuegte er hinzu:'"DIE beiden Anfaenger muessen jetzt natuerlich hier im dunkeln anfangen."
"Naja,er ist ja nun mal ein Profi," dachte ich mir.

Die Nacht war vom Licht der vielen Stirnlampen erleuchtet. Pfoten wurden in Vorbereitung auf das Rennen gesalbt,Geschirre ueberprueft und Schlitten gepackt, nochmals gepackt und dann mit einem nachdenklichem Stirnrunzeln nochmals entleert. Mehrere Musher hatten Zelte aufgebaut um sich die Kosten eines Zimmers zu sparen.Sie wuerden die Nacht draussen verbringen. Nichts neues fuer viele der Musher.

Als der Abend verging trafen mehr Musher ein. Hugh Neff und seine Frau Tamara stuermte erst gegen 22 Uhr in die Kneipe. Sie waren grade aus dem Yukon Territory heruebergekommen. Ihnen war das Benzin 10 km nach der Grenzueberquerung ausgegangen. Tja, wenn man zu sehr an Hunde gewoehnt ist, kann sowas wohl mal passieren....


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/28/08 um 11:48:57
Der Tag vor dem Rennen:

Als ich am Freitag vor dem Rennen die 250km von Fairbanks nach Paxton zuruecklegte, hielt ich kurz vor Summit Lake, einem grossem Bergsee.
Heftige Windboehen wirbelten Eiskristalle durchs Tal und bogen die kargen Streucher der Gegend."Wow", sagte ich zu mir selbst:"Das muss gefilmt werden."
Ich griff meine Kamera und oeffnete die Fahrertuer einen Spalt waehrend der Truck vom Wind geruettelt wurde.
Bevor ich reagieren konnte, riss mit eine Boehe die Tuer aus der Hand und warf sie bis zum Anschlag auf. Die Tuer aechzte in den Angeln und es bedurfte zweier Haende um sie wieder zuzuziehen.Mein dummes Gesicht waere sicherlich sehenswert gewesen und ein paar Flueche kamen mir ueber die Lippen: "Ein bischen Nachdenken wuerde schon helfen," schimpfte ich mit mir selbst.
Vielleicht haette ich in Windrichtung parken sollen ? Der Truck schauckelte weiterhin leicht im Wind.
Kurz darauf stieg ich aus und filmte bis mir die handschuhlosen Haende nach kurzer Zeit brannten, was nicht lange dauerte. Dann fuhr ich weiter. Zu Zeiten war die Strasse im Sturm kaum zu sehen."Na, das wird ja ein interessantes Rennen werden", dachte ich mir. Damit sollte ich Recht behalten.

Nach meiner Ankunft in Paxton Lodge machte ich mich daran John Schandelmeier, dem Organisatoren des Rennens beim Ausrichten der Parkmoeglichkeiten fuer Musher zu helfen. 47 Teams mussten geparkt werden und John, der dies eigendlich schon tagsueber organisiert haben wollte war an diesem Tag auf Grund des Wetters erst spaet mit seinen Hunden vom Fallenstellen zurueckgekommen (er ist Trapper) und und dann auch noch in seiner eigenen schneeverwehten Einfahrt mit dem Truck steckengelieben. Wir waren also etwas spaet dran, aber keiner regte sich auf.
Ich merkte sehr schnell, dass dieses Rennen eine etwas andere Athmosphaere als das Yukon Quest aufwies. Alle Anwesenden schienen gut gelaunt und die Kneipe der Paxton Lodge fuellte sich schnell mit Mushern, die sich gegenseitig Neuigkeiten vom Trail und die neusten Geruechte oder alte Geschichten erzaehlten.Die Wettervorhersage sprach von bis zu 50 km/h Winden,
aber keiner war besorgt. Fast alle hatten dies schon einmal erlebt. "Ausserdem", so meinte Sebastian Schnuelle, "geht der Trail ja entweder am Denali Highway entlang oder ueber's Eis des McLaren und Susitna River.Da musst du schon ganz schoen doof sein um dich zu verfahren...."
Es war ein eher gemuetlicher Abend in der Paxton Lodge.Selbst die 10 Soldaten der Alaska National Guard, die in ihrer Kampfmontur in der Kneipe ankamen um beim Rennen zu helfen zeigten sich von der Athmosphaere eher begeistert.

Als ich zu einem Spaziergang ueber den Hof lief um mit den Mushern zu reden die an ihre ueber 450 Hunde Abendmahlzeiten austeilten, war auch dort die Atmospaehre eher gelockert.Die abendliche Temperatur lag um -18 C, perfektes Rennwetter. Zum allgemeinen Erstaunen war es im geschuetztem Tal voellig windstill obwohl ein Trailbreaker berichtete, dass 20 km ausserhalb 'die Hoelle' los war."
Uberall schlabberten Hunde schmatzend ihre Naepfe  leer waehrend die, deren Futter grade noch zubereitet wurde, klaefften, heulten oder mit einer gewissen Genugtuung gegen die Reifen der Autos ihrer Besitzer pinkelten. Die Atmosphaere des Rennens liess keine Hektik verspueren.
Lance Mackey wuerde mit drei Teams im Rennen antreten obwohl er natuerlich selbst die besten Hunde fuehrt. Als ich bei seinen Hunden vorbei ging hatte er schon seinen Schlitten vom Truck heruntergezogen. Seine beiden anderen Musher, Braxton Peterson und Harry Alexie, fuetterten Hunde und versuchten ihre eigenen Schlitten zu packen."Ja, ja," meinte Herr Mackey mit einem Laecheln: "ICH packe meinen Schlitten komplett zuhause so dass ich mir spaeter keine Gedanken um den ganzen Mist machen muss."
Mit einem Blick auf seine von ihm trainierten Verwandten fuegte er hinzu:'"DIE beiden Anfaenger muessen jetzt natuerlich hier im dunkeln anfangen."
"Naja,er ist ja nun mal ein Profi," dachte ich mir.

Die Nacht war vom Licht der vielen Stirnlampen erleuchtet. Pfoten wurden in Vorbereitung auf das Rennen gesalbt,Geschirre ueberprueft und Schlitten gepackt, nochmals gepackt und dann mit einem nachdenklichem Stirnrunzeln wieder entleert. Mehrere Musher hatten Zelte aufgebaut um sich die Kosten eines Zimmers zu sparen.Sie wuerden die Nacht draussen verbringen. Nichts neues fuer viele der Musher.

Als der Abend verging trafen weitere Musher ein. Hugh Neff und seine Frau Tamara stuermte erst gegen 22 Uhr in die Kneipe. Sie waren grade aus dem Yukon Territory heruebergekommen. Ihnen war das Benzin 10 km nach der Grenzueberquerung ausgegangen. Tja, wenn man zu sehr an Hunde-Power gewoehnt ist, kann sowas wohl mal passieren....


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/28/08 um 12:28:43
Lance und Tania Mackey gesellten sich ebenfalls zur Garde derer, die die Kneipe nach Mitternacht offenhielten. Nach einem von mehreren Whiskey's meinte Lance lachend: "Jetzt aber Mal ehrlich...: Das GinGin 200 ist doch ein Qualifikationsrennen fuer den Iditarod und das Quest. Muss ich mich echt noch qualifizieren ? Wieso bin ich eigendlich hier ?"
Wir verliessen die Bar gegen 4:30 morgens, aber das einzige was ueber diese spassigen Stunden erwaehnt werden sollte ist, dass Hugh Neff nach 6 Bier immer noch ein hervorragender Billiard-Spieler ist.
Wir hatten Spass und verliessen die Kneipe erst gegen 4:30 Uhr. "Mein Schlitten ist gepackt", meinte Lance.
Hugh zuckte mit den Schultern:" Ich schmeiss mein Zeug morgen rein."

Die Rennorganisation hatte mir einnen Schlafplatz in einem Zweibett-Zimmer zugeteilt. Yuka Honda, der jungen Japanerin die dieses Jahr das Yukon Quest zum dritten Mal angeht, war das zweite Bett im Raum zugeteilt worden.
Als ich gegen 22 Uhr zum ersten Mal ins Hotelzimmer kam um meine Ausruestung abzulegen war der gesamte Raum mit groesseren oder kleineren Ausruestungsgegenstaenden ausgelegt die Yuka zum Rennen brauchen wuerde. Sie selbst sass in der Mitte des Chaos im Schneidersitz auf dem Teppich und laechelte mich froehlich an. Die Vorfreude des Rennens stand ihr ins Gesicht geschrieben.
Sie und ihre Hunde waren vor Jahren vom Eagle Summit nach Mile 101 mit einem Helikopter unter Protest 'gerettet' worden. Ihr konnte das Wetter des GinGin200 Trails nichts anhaben.
Als ich gegen 4:30 morgens nach der langen Nacht wieder ins Zimmer trat, lagen ihre Gepaeckstuecke sorgsam gestapelt in einer Ecke.
Ich brauchte Schlaf. Dringend, schnell.... und kurz.


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Anacok am 12/28/08 um 12:44:05
Danke Peter
für die sehr interessanten Berichte, wie immer sehr informativ. Ich schau schon die ganze Zeit auf der Seite des Gin Gin nach Bildern oder Videos.
Wollte auch schon mal einen ersten Tipp abgeben, aber so ohne die Race Map kann ich mich nicht so richtig entscheiden.

so ungefähr:

1. J.King
2. B.Sass
3. Sab
4. Mackey
5. Anderson
6. A.Moore

naja, mal sehen wie es ausgeht, freue mich auf deinen
Endbericht.

Dieter


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/28/08 um 16:39:40
9 Uhr morgens...., hatte Yuka mir nicht versprochen mich aufzuwecken ? Ich habe keinen Wecker und verspreche mir dies zu aendern. Sie und ihre Ausruestung sind verschwunden.

Dusche..., kalt.
Zaehneputzen. Ich habe meine Zahnpasta vergessen und weiss und tue mein bestes.
Ein paar Bisse schnell heruntergewuergeter Salami mit Baquette.Dies und Camenbert Kaese sind meine traditionellen Rucksackmahlzeiten. Auf Grund des Fettgehalts friehern diese Mahlzeiten nicht sehr hart ein. Um so trockener das Baquett um so leichter kann es bei -40 C gekaut werden.
Die 'Army National Guard' wird mich als Beifahrer mit Motorschlitten nach dem letztem startendem Musher auf dem Ruecksitz einer der Motorschlitten nach McLaren bringen.
Das Rennen wird in 90 Minuten beginnen. Ich gucke aus dem Fenster und draussen sind die Musher mit ihren Vorbereitungen beschaeftigt. Ueber Nacht sind die Temperaturen nicht gesunken. Es herrscht Windstille und die Sonne wird in ein paar Minuten aufgehen.

Ich schliesse den letzten Reissverschluss an meinem reisefertigem Rucksack, greife meine Kamera und gehe in das Restaurant der Lodge.
Dort greife ich mir einen Kaffee und gucke auf meinen Computer, der ueber Nacht einen Videoschnitt der Rennvorbereitungen auf You-Tube laden sollte, den ich in der vorherigen Nacht zusammengeschnitten hatte.
Ich liess den Computer, meinen Canon Photoapparat und meine Video-Kamera in der Kneipe zurueck, da man mir meinen eigenen Tisch in einer einsamen Ecke gegeben hatte. Es gab keinen Grund die gesamte Ausruestung einzupacken. Hier kann man Leuten selbst um 4:20 Uhr morgens noch leicht vertrauen....
Der Upload funktionierte. Als ich mir die muehsam zusammengeschnittenen Teile der Rennvorbereitung allerdings angucken wollte, erschien das auf einem der von mir verhassten PC's zusammengeschnittenen 'Movie' als 'unlesbar'.
Mit einem Mac waere das nicht passiert.....
Ich drueckte einen Knopf um das Movie nochmals hochzuladen, hatte allerdings wenig Zeit um einen uneinsichtigen Computer zu bekaempfen.
In 45 Minuten beginnt das Rennen.
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Kamera in der einen und Kaffee in der anderen Hand begebe ich mich nach draussen. Lance kommt mir entgegen. "Mist", meinte ich. "Ich bin wohl ein bischen spaet aufgewacht."
Lance grinste mich an: "Echt ? Komisch... Ich fuehle mich als waere ich zu frueh aufgewacht."
Lance wird erst in 2 Stunden an der Startlinie antreten.
Ich gehe durch die Reihen der Musher und geniesse den Morgen.
Der Himmel hat sich bis auf ein paar Wolken geklaert und immer noch weht kein Wind. Entgegen der um -35 C Wettervorhersage liegt die Temperatur immer noch um -20C. Perfektes Rennwetter.
Jeder weiss, dass der Sturm auf den Huegeln des Trails nicht nachgelassen hat. Die Spannung steigt.
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Inzwischen taucht auch der mehrmalige Iditarod-Gwinner Jeff King auf. Seine Helfer fuhren Jeff's Team von Cantwell am Parks 400 km schon am Vortag zum Start des Rennens. Er selbst tauchte erst gegen 10 Uhr morgens am Renntag auf und waehlte eine Abkuerzung.
Aus persoenlichen Gruenden wollte er die letzte Nacht vor dem Rennen in Cantwell verbringen. Er schwang sich um  6 Uhr morgens auf seinen Motorschlitten und fuhr Informationen nach die 180 km des ungepfluegten Denali Highways in 3 1/2 Stunden.
Als sein Hundeteam an der Startlinie stand und klaeffend Pfoten in den Schnee stemmten, bedurfte es zwei Schneeanker um den Schlitten zu halten. Er grinste:
"Na, zumindest habe ich es bis zum Start geschafft."
Ohne weitere Aeusserungen trat der offizielle Zeitrichter vor: "10 Sekunden....,4.. 3...2...1.... go !"


Obwohl sich die Rennleitung am Morgen des Rennens grosse Sorgen machte, lief der Start des GinGin 200 mit seinem Feld von ueber 450 Hunden fast reibungslos ab.
Ich soll nach dem letztem Musher mit der 'Alaska National Guard' auf Motorschlitten nach McLaren fahren, greife meinen Rucksack und stelle mich bereit.
Meine Fragen, so wird mir gesagt, sollten nur an den 'Commander' gerichtet werden.
Dies erscheint mir eine vernuenftige Idee, allerdings ist dieser nicht zu finden. Innerlich bereite ich mich darauf vor als einfacher Buerger einfach dumm aus der Waesche zu gucken und zu warten. Mit der sinkenden Sonne werden allerdings all meine Hoffnungen Teams auf dem Trail zu filmen zu Nichte. Anstatt dessen kann ich 6 Motorschlitten unter der tief stehenden Sonne verewigen.
Warten, warten, warten.....
Schlussendlich fahren wir vom windstillen Paxton los.
Nachdem 2 der 6 Army-Motorschlitten auf den ersten 30 km bei -30 C und 70 km/h Winden versagten, entschied sich der 'Commander' umzukehren.
Diese 4-stuendige Reise war... um es gelinde zu sagen... hoch interessant.



Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/28/08 um 17:43:15
Eines sollte noch erwaehnt werden:
Lance Mackey sagte mir wie erwaehnt am Vorabend des Rennens, dass er seinen Schlitten lange vor dem Rennen packt. Trotzdem fand ich ihn 20 Minuten vor seinem Rennstart mit um ihn herum verstreuten Ausruestungsgegenstaenden bis an die Schultern in den Tiefen seines Schlittens vergraben.
Ich verkniff mir einen Kommentar, musste allerdings laecheln.
Kein Mensch ist perfekt....., und dies gilt selbst fuer die besten Musher.
-----------------------
Ich werde diese Geschichte spaeter weiterfuehren, brauche aber wieder einmal Schlaf, da ich in wenigen Stunden mit der 'Alaska National Guard' nach McLaren fahren soll. Ob dies klappt ist wie immer fraglich.
Wenn zwei von sechs Militaer-Motorschlitten schon nach 30 km versagen, sollte ich mich wahrscheinlich zummindest warm anziehen.

Ausser zwei Teams haben zu dieser Zeit alle Hunde McLaren River erreicht.
Waehrend ich schreibe, besagt die letzte Kommunikation vom McLaren Checkpoint, dass dort Temperaturen auf -43 C gesunken sind. Da die Flussbetten des McLaren und Susitna normaler Weise Kaelte anziehen, vermutet man, dass die Temperaturen dort auf dem Trail um -50 C liegen werden.

Updates des Rennens sind unter http://www.gingin200.com/RaceCoverage.html zu finden.
===================
An Dieter:
Guter Tip:
Ich habe auch das Gefuehl, dass Jeff King gewinnen will, aber die Strecke nach McLaren mit Zeitunterschieden von 8 Minuten zwischen den ersten ankommenden Mushern sagt wirklich nicht viel aus.
Ich werde keinen Tip abgeben, aber die letztjaehrige Gewinnerin Jodi Bailey schlug Mackey damals um 2 Minuten. Ich denke, dass wir - speziell mit der schwierigen Wetterlage - noch ein paar Ueberraschungen erleben werden.


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Urknall am 12/28/08 um 22:26:53
Hallo Peter,

von mir mal ein gaaaaaanz dickes DANKESCHÖN für die unermüdliche Berichterstattung hier.
Ich hänge nun fast stündlich am Monitor, um zu sehen, ob´s was neues gibt.  :)

Deine Berichte sind immer wieder packend und äusserst informativ.

Viele Grüße aus Siegburg

der Knalli  :)


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/28/08 um 23:38:02
Ein paar fertige Videos vom Rennstart. So wie es aussieht werde ich es nicht bis nach McLaren schaffen...:
Hoffe, dies klappt:
GinGin Action: Teams coming up to the Start line. Includes Collen Roberta:
Hoffe, diese Links funktionieren. Habe einfach was hochgeladen...

http://www.youtube.com/watch?v=qMatHv5z_Lo GinGin Start (Jeff King):
http://www.youtube.com/watch?v=NoE0pl6Oau4 More GinGin Action (a cross cut through action during the start)
http://www.youtube.com/watch?v=XHu891eBw4M GinGin Lance Mackey Start:
http://www.youtube.com/watch?v=dpCa6up63sg

Temperaturen in McLaren liegen jetzt um -45C.

Viele Gruesse,
Peter


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: admin am 12/29/08 um 00:27:18
Da kann man unserem rasenden Reporter wirklich nur danken! Wie immer besser, schneller, ausfuehrlicher und lustiger zu lesen als alles andere im Web!

Danke das du hier in unserem Forum schreibst!

ragnar


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/29/08 um 04:13:29
Nun ja,
wer die Updates verfolgt wird sicherlich sehen, dass Jeff King nun waehrend der zweiten McLaren-Rast 40 Minuten Vorsprung vor Mackey, Schnuelle und Sass hat. Lance Mackey wurde Nachrichten nach vom Wind auf der Hinfahrt nach McLaren vom Trail in ein steiles Tal gedrueckt und verbrachte mehr als eine halbe Stunde um sich wieder hoch zum Trail zu arbeiten. Diese halbe Stunde fehlt ihm jetzt.....
Wetterbedingungen in McLaren haben sich weiter verschlechtert und Winde von bis zu 70 km/h mit Temperaturen von - 45 C sind auf einem hochliegendem Teil des Trails zurueck nach Paxton gemessen worden. Es wird schwierig sein diesen letzten Teil des GinGin 200 nachts zu fahren, speziell da Winde im allgemeinen seitwaerts zum Trail stehen werden und dies eine Nachtfahrt werden wird.
In Paxton Lodge an der Ziellinie ist man zwar der Meinung, dass Jeff King einen Fehler machen muss um jetzt noch das Herrenrennen zu verlieren, aber unter den bestehenden Bedingungen ist so ziemlich alles moeglich.
Jody Bailey ist allerdings bisher immer noch um einige Minuten schneller als Jeff King und koennte insgesamt die beste Rennzeit fahren. Der Sieg im Damenrennen ist ihr fast sicher.
Ihrer Zeit muss in der Gesamtzeitrechnung allerdings eine Stunde hinzugefuegt werden, da das Damenrennen eine Stunde vor den Herren gestartet wurde.


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/29/08 um 06:04:59
Updates und Stories werden fuer einige Zeit etwas kurz bleiben, da ich in einigen Stunden raus muss um ankommende Musher zu filmen. Ehrlich gesagt ist es ziemlich langweilig bei -30 C in im Dunkeln in der Kaelte zu stehen um auf Musher zu warten. Ausserdem kommen sie aus mir unerklaerlichen Gruenden eh immer dann an, wenn man fuer 2 Minuten reingeht um einen Kaffee zu hohlen....... ::)  

Ich hatte allerdings ein erwaehnenswertes Gespraech mit John Schandelmeier, dem Organisator des Rennens. Wir sprachen ueber die Trailkonditionen, das Wetter und den Verlauf des Rennens:
John meinte dazu: "Ich bin den windigen Teil des Trails ueber die Berge nach McLaren mindestens 4 Mal in den letzten 24 Stunden abgefahren und ehrlich gesagt habe ich nichts furchtbar ungewoehnliches fuer diese Gegend hier gesehen. 'Echter Wind' ist, wenn die Hunde umgeblasen werden, und das ist bei weitem nicht der Fall. Alle Windprobleme dort draussen lassen sich loesen, z.B. in dem man seine besten Leader bei Seitenwind auf der Windseite des Teams laufen laesst.  Natuerlich sind die Temperaturen sehr niedrig und auch ich haette mir ein etwas netteres Rennen gewuenscht, aber im Prinzip laesst sich als Fazit nur eines sagen: Das GinGin 200 ist nun mal nicht umsonst ein Qualifikationsrennen fuer das Quest und den Iditarod, und wer mit den gegenwaertigen Trailkondition jetzt da draussen nicht fertig werden kann hat sicherlich weder beim Quest noch beim Iditarod etwas zu suchen."

Im Prinzip muss ich ihm recht geben.
----------------
Letzten Infos nach hat der Wind auf den Bergen etwas nachgelassen. Mit dem grossen einsetzendem arktischem Hochdruckgebiet, das fuer dieses Wetter verantwortlich ist, sinken die Temperaturen nun allerdings auf den gewoehnlich etwas waermeren Gipfelgegenden des Rennens.
Die letzten Stunden des Rennens werden sicherlich interessant werden.

(An Dieter: Du hast ja eigendlich ganz schoen akkurat getippt, hm ? ;) )


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/29/08 um 08:11:16
Lance Mackey hat einen seiner Schlittenkufen auf einem Stueck von Schnee freigeblasenem Trail soweit abgeschliffen, dass er keinen neuen Plastikstreifen in den Kufen einfuehren kann.
Jeff King hat mit seinem Handler/Co-Musher Jason in McLaren gescratched. Gruende sind unbekannt.
Zu diesem Zeitpunkt befinden sich Jodi Baily und Brent Sass in der Fuehrung.


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Nordmann am 12/29/08 um 15:20:09
Hallo Peter
Erstmal vielen Dank für die super Bericht Erstattung!!!
Was ist passiert mit Jeff King?? Du hattest mal wieder recht das bei diesen Bedingungen noch alles passieren kann und hast gut daran getan keinen Tipp abzugeben. Hat John Schandelmeier oder einer der anwesenden Y.Q. Musher 2009 etwas zu den Trailbedingungen des Y.Q. Trails von Eagle nach Circle City ein Wort verloren?? Wäre schön wenn Du was erfahren könntest. Pass auf dich auf und bei den Windbedingungen immer mit dem Wind pinkeln nicht wie beim filmen vom Auto aus gegen den Wind!!! ;)
Freuen uns schon auf deinen Schlussbericht vom Gingin 200.
Gruss Sui
Viva Colonia


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Habicht am 12/29/08 um 15:32:38
Hallo Peter, jetzt muß ich dir doch auch noch mal ein dickes Lob aussprechen! Dank deiner ausführlichen Berichterstattung fühl ich mich als wär ich mitten drin im Geschehen.
Spannend ist es allemale wieder und erst dachte ich schon die Frauen sind gar nicht mehr dabei ;)
Werde zwar nicht so wie Knalli stündlich dabei sein können aber ganz bestimmt deinen Schlussbericht nicht verpassen!

@Nordmann ;D ;D ;D

Bis dahin Liebe Grüße Renate


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/30/08 um 06:11:29
So,
das Rennen ist vorueber....
Jodi Bailey hat zum zweiten Mal in zwei Jahren das schnellste Rennen gefahren.
Ich habe heute abend ein Interview mit Sebastian Schnuelle gemacht, dass ich an Ragnar (admin) geschickt habe. Hoffentlich kommt es an.
Das Interview wird viele Fragen ueber das Rennen aufklaeren.
In den letzten drei Tagen habe ich ungefaehr 5 Stunden geschlafen. Zoya, die Renndirektorin, wurde krank, einige Freiwillige fiehlen aus und ein Reporter der Tageszeitung in Fairbanks managte den Paxton Checkpoint gemeinsam fuer ueber 24 Stunden waehrend Teams eintrafen.
Es war .... Spass. Nun sitzen wir hier in der Kneipe, da ich erst morgen nach hause fahren werden. Leider ist die Frau des Reporters die einzige Musherin, die noch im McLaren Checkpoint sitzt waehrend alle anderen Musher schon nach hause gefahren sind. Hoffentlich schafft sie es morgen ueber den Berg nach Paxton.

Ich kann unmoeglich die Geschichte des gesamten Rennens hier erzaehlen, werde allerdings noch eine erwaehnenswerteren Geschichten weiter unten erzaehlen.
@Ragnar: Falls du das Interview mit Sebastian nicht bekommen hast, sag bitte Bescheid.....
Peter


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/30/08 um 08:34:08
Weiter oben im Forum schrieb ich vom Start des Rennens und der Tatsache, dass mich Soldaten der Alaska Army National Guard ueber 70 km mit Motorschlitten zum Checkpoint McLaren zum filmen fahren wuerden.
Es ging alles sehr militaerisch ab. Die Herren zeigten sich auch in edlen gruenbraeunlichen Tarnfarben, die sich hervorragend vom weissen Schnee abhoben. Ich vermute, dass man damit verhindern wollte, dass irgendjemand verloren ging.
7 Soldaten, Lance Mackey's Frau Tania und ich sollten mit 6 Motorschlitten losfahren. Die Motorschlitten zogen flache Lastschlitten und sahen mir fuer meinen Geschmack etwas klein aus, waren aber fast brandneu.
Als wir endlich losfuhrenm war es schon recht spaet, aber die Fahrt nach McLaren sollte nur 1 1/2 Stunden dauern. Der Kommandant guckte sich um und gab das Signal zur Abfahrt. Mit einem Ruck fuhr die Maschiene an und kam nach 5 Metern wieder zum stehen.Einer seiner Soldaten hatte etwas vergessen. Man darf die Alaska Army National Guard nicht mit der Army an sich vergleichen. Im englischem Volksmund wird die 'Guard' von vielen 'Weekend Warriors' genannt. 5 lange Minuten spaeter kehrte der Herr wieder zurueck, schien aber nichts in der Hand zu haben. "Sag mir bloss nicht, dass er nochmals auf's Klo musste", dachte ich mir.
Dann ging es mit einem erneutem Handkommando des 'Commanders' wieder los. Die Art wie er seinen ganzen Arm vorwaerst schwang um den Befehl zur Abfahrt der 6 Maschienen zu geben haette ohne weiteres von Julius Caesar als Angriffsbefehl fuer seine gesamte 9. Legion benutzt werden koennen. Irgendwie tauchte ein komisches Gefuehl in meinem Magen auf. Ich war schon des oeffteren mit erfahrenen Motorschlittenfahrern unterwegs gewesen. Keiner dieser Leute hatte sich jemals so verhalten wie diese Gruppe.
Wir fuhren ungefaehr 5 km und hielten ploetzlich an.
Eine der Schneemaschienen der Gruppe war zurueckgeblieben. Wir stiegen alle ab und warteten bis der Fahrer der Maschiene aufgehohlt hatte. Ein Packriemen an seinem Schlitten hatte sich geloest. Naja, sowas kann passieren.
Man unterhielt sich fuer eine Weile und bevor sich die Soldaten wieder auf ihre Schlitten schwangen (ich als Beifahrer), stiessen sie gegenseitig mit ihren Faeusten an. Ich hielt diese fuer meinen Geschmack etwas zu heldenhaft-feierliche Geste nach nur 5 Kilometern zwar fuer etwas uebertrieben, sagte aber nichts. Als Zivilist sind meine Erfahrungen mit militaerischen Braeuchen eher beschraenkt. Weiter gings....
Der breite und harte Trail folgte dem ungefluegtem Denali Highway und wir fuhren mit ca. 50km/h, einer fuer erfahrene Fahrer eher langsame Geschwindigkeit. Der Wind nahm zu als wir hoeher in die Berge vordrangen und Schneewehen begannen sich ueber die Strasse zu ziehen. Als der Commander mit dem ich fuhr sich nach 10 weiteren Kilometern umguckte waren drei der 5 anderen Motorschlitten spurlos verschwunden. Wir hielten also wieder an und mussten 5 Minuten warten, bis die Motorschlitten auftauchten. Der Soldat, auf dessen Ruecksitz Tania fuhr war vom Trail abgekommen und im Tiefschnee stecken geblieben und es hatte einiges an Kraft bedurft die Maschiene wieder auf den Trail zurueckzubringen.
Der Wind hatte weiter zugenommen und es war bitter kalt. Waehrend der Wartezeit hatte ich mich in den Windschatten einer der Motorschlitten gesetzt und genoss den wunderschoenen Ausblick auf die Alaska Range. In der Ferne konnte man im sonst strahlend blauem Himmel die Schneeschleier sehen, die der auf den Kuppen herrschende Sturm von den Gipfeln riss.
Die behelmten Soldaten steckten ihre Koepfe zusammen und redeten, aber verstehen konnte ich nichts. Der Wind war zu laut geworden.
Schlussendlich fuhren wir weiter in die Berge und der Wind nahm weiter zu.
Kurz vor 13Mile Summit fanden wir ploetzlich einen Musher mit seinem Team. Der Wind hatte die Hunde von der Strasse den Abhang hinunter gedrueckt. Er hatte vergeblich versucht sie aus einem Weidengestruepp den steilen Hang hoch wieder zur Strasse zu fuehren. Der ueber die Strasse fegende Schnee drueckte das Team immer wieder zurueck.
Wir stiegen ab und ich stolperte im ersten Augenblick als mich eine Windboehe von hinten anfiel.
Die Soldaten liefen 10 Meter den Hang hinunter waehrend ich meine Kamera aus der Tasche zog um zu filmen. Es bedurfte mehrere Minuten um das Geschirr des Teams zu entwickeln und die Hunde samt Schlitten zurueck auf die Strasse zu bringen. Der Musher sah uebler als seine Hunde aus. Kleine weisse Flecken zeigten sich auf seinen Backen, die sich spaeter zu Frostbeulen entwickeln wuerden. Sobald die Hunde auf der Strasse losgelassen wurden, drueckte der Wind sie wieder in Richtung Hang. Der Musher wollte aufgeben, bezweifelte allerdings, dass er es den Berg hinunter schaffen wuerde.


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/30/08 um 09:09:23
Ich hatte meine Faeustlinge zum filmen gegen Fingerhandschuhen eingetauscht und innerhalb kuerzester wurden diese taub waehrend die Ladung der 6-stuendigen Kamerabatterie unter der Auskuehlung innerhalb von 5 Minuten auf eine Stunde gesunken war.

Der Commander unserer Gruppe entschied sich, das Hundeteam alleine zurueck nach Paxon zu schleppen/begleiten. Die Soldaten steckten ihre Schutzhelme fuer eine Weile zusammen waehrend ich mir wieder meine dicken Faeustlinge anzog. Die Finger fingen an zu schmerzen. Ich kannte das Gefuehl, ich war knapp einer Erfrierung entkommen.
Kommunikation mit den Soldaten war im lauten Wind kaum moeglich und es dauerte einige gebruellte Fragen bis ich herausfand, dass wir mit 5 Maschienen, 4 Lastschlitten und acht Personen unter einem neuem Commander weiterfahren wuerden. Wer dies war konnte ich unter den Helmen nicht erkennen. Die Herren sahen fuer mich unter ihren Helmen alle gleich aus.
Der Wind machte auch den Soldaten zu schaffen. Wir hatten bisher ca. 25 der 70 km in knapp 1 1/2 Stunden  zurueckgelegt. Die grossartigen Gehabe und militaerischen Gesten waren im Flachland zurueckgeblieben.

Inzwischen war der Seitenwind so stark geworden, dass der eiskalte Wind durch jede Ritze meiner Gesichtsmaske drueckte. Schon 5 Minuten spaeter hielten wir wieder an. Zwei Maschienen wahren hinter uns verschwunden. Wir drehten um und fanden sie. Einer der Motorschlitten war ausgegangen. Als wir abstiegen war Kommunikation nur auf kuerzeste Entfernung moeglich. Der Wind war zu laut. Selbst in meiner Montur, ueber die ich einen riesigen Daunenparka gezogen hatte, spuerte ich wie die Boehen Kaelte durch meine Winterkleidung drueckte. Rasende Schleier aus Eiskristallen zogen ueber den Schnee. Am Horizont zeigte sich die Sonne in ihren schoensten Farben als sie begann unterzugehen.
Waehrend ich argwoehnisch zuguckte wie die Soldaten versuchten den Motorschlitten wieder zu starten stieg meine Hochachtung vor den Mushern, die es mit ihren Hunden ueber den Berg geschafft hatten. Ich zog nochmals meine Fingerhandschuhe an und nahm meinen kleinen Photoapparat aus der Seitentasche. Nach drei Photos versagte er.
Die Soldaten guckten sich den schnell auskuehlenden Motor der Maschiene an und ruettelten an verschiedenen Teilen. Selbst aus der Entfernung war es leicht ersichtlich, dass sich unter den Herren kein Mechaniker befand. Als Zivilist wurde ich zur Begutachtung der Angelegenheit nicht eingeladen.
Schlussendlich entschied der Commander, wie mir durch das Getoese des Windes klargemacht wurde, mit vier Maschienen und vier Lastschlitten weiterzufahren. Jede der Maschienen trug nun 2 Personen. Meiner Schaetzung nach hatten wir weniger als die Haelfte der Strecke nach McLaren zurueckgelegt.


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: admin am 12/30/08 um 14:24:43


ANHOEREN und ANGUCKEN:

Audio-Interview von Peter Kamper mit Sab Schnuelle:

[url]http://www.alaska-dogmushing.de/2008/12/30/interview-mit-sab-schnuelle/[/url]

Videos von den Gewinnern:
[url]http://www.alaska-dogmushing.de/2008/12/30/brent-sass-gewinnt-das-gingin200-2008/[/url]

ragnar/admin


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Gonzo am 12/30/08 um 18:50:09
Hallo Peter

Ich möchte mich, für die tolle Berichterstattung, ganz herzlich bedanken. Unglaublich, was Du immer auf Dich nimmst um hier im Forum möglichst ausführliche Berichte hineinzustellen.

L.G

Gonzo


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Nordmann am 12/30/08 um 19:38:42
Hallo Peter
Klasse Interview mit Sab !! Schön das Du die Schwierigkeiten wegen des Y.Q.Trails angesprochen hast!! Da hast Du wieder saubere Arbeit geleistet ein ganz grosses Dankeschön. Komm heil wieder zurück nach Fairbanks, wir brauchen dich noch!! Guten Rutsch Peter und alles gute für 2009 wünsche ich Dir vor allem Gesundheit!!!
Gruss Sui

Viva Colonia ;)


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/31/08 um 02:02:45
Hi,
vielen Dank fuer's Lob. Es macht auch mir Spass zu schreiben solange es aktuell ist.
Uebrigens hat Brent Sass die 'Men-Division' gewonnen und sich dabei einige Erfriehrungen gehohlt. Er sah an der Ziellinie nicht ganz so gluecklich wie Jodi Bailey aus.
Der Artikel im dogmushing.de (Brent Sass gewinnt GinGin 200) ist uebrigens nicht ganz korrekt:
Brent Sass gewann in der Herren-Division und Jodi Bailey in der Damen Division. Wenn man beide Divisionen zusammen nimmt (over all positions) schlug Jodi Bailey nach Abrechnung der Startunterschiede Brent Sass um 63 Minuten.
Dritte wurde damit Colleen Roberta. (2.Platz Damen Division).
Regelunterschiede fuer die beiden Divisionen gibt es nicht.

Interessant waere es noch zu erwaehnen, dass Jodi vor langer Zeit Dan Kaduce heiratete, der das Yukon Quest angehen wird. Sie besitzen geeinsam einen Kennel von ca. 20 Hunden und die vierbeinigen Gewinner dieses Rennens werden auch im YQ mit Dan antreten....
Nun aber weiter zur Geschichte....., die ich uebrigens schreibe und abschicke. Satz-oder Rechtschreibungsfehler sind wie alles andere gratis.... ;)

Peter


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/31/08 um 03:40:18
Der Trail war recht gut und wir kamen schnell weiter. Es ist nicht unbedingt bequem als Beifahrer hinten auf einem Motorschlitten zu sitzen, aber was soll's. Falls wir keinen weiteren Problemen begegnen wuerden, sollten wir die letzten 40 km bis zur McLaren Lodge in einer knappen Stunde zurueckgelegt haben.
Allerdings gab es ein Problem. Nach wenigen Kilometern fiel eine weitere Maschiene aus. Die Sonne beruehte nun die umliegenden, baumlosen Bergketten. Auch hier versuchte man sich an einer halbherzigen Reparatur, die allerdings zu nichts fuehrte.
Langsam wurde mir im Schutz der alaskanischen Wochenendkrieger doch etwas mulmig. Die Batterien des Videorekorders waren in meiner arktischen Daunenaussenjacke inzwischen eingefrohren und ich guckte auf die Lastschlitten wo mein Rucksack lag. Er enthielt Salami, Baquette sowie selbstaktivierende Waermebeutel, zwei Winterhosen und eine Flasche Cola, die inzwischen sicherlich grade langsam einfrohr. Wasser ist in solchen Situationen das groesste Problem.Mit den Waermebeuteln konnte ich in in der Colaflasche Wasser aus Schnee erzeugen. Wenn man bedachte, dass es um uns jede Menge Schneewehen gab in die man sich eingraben konnte, war die Situation eigendlich nicht besonders gefaehrlich, sondern eher ..... unbequem.
Ich schob meine Kopfhaube zurecht und setzte mich neben Tania und die einzige Soldatin der Gruppe in den Windschatten eines der Motorschlitten. Wir guckten im Getoese des Windes der untergehenden Sonne zu waehrend der Schnee Richtung Tal in Stroemen ueber die Strasse blies. Die laufenden Reparaturaktionen sahen nicht sehr vielversprechend aus.
Langsam hatte ich genug von der unpersoenlichen Art in der sich jeder benahm, lehnte mich im lauten Wind zur Soldatin hinueber und rief: "Wir sollten hierbleiben. Andere Leute zahlen fuer solch eine Aussicht viel Geld."
Sie guckte mich erst etwas verwirrt an. Als sie den Humor der Angelegenheit verstand, lachte sie schlussendlich etwas zoegernd.
Im Prinzip hatte ich die Nase voll. Wir hatten drei Motorschlitten, 4 Lastschlitten (zwei davon mit Gepaeck) und 8 Leute, die ca. 35 km von jeglicher Siedlung entfernt bei -35 C in Windboehen von 50-60 m/h kurz vor Sonnenuntergang auf einem recht ansehnlichem Huegel ohne Windschutz herumstanden.
Kurz danach wurde mir mitgeteilt, dass wir zurueck nach Paxson fahren wuerden. Vorher sollte allerdings der kaputte Motorschlitten auf einen der Lastschlitten gepackt  werden. Eine weitere der uebrig gebliebenen Maschienen sollte nun zwei anstatt von einem Lastschlitten ziehen.

Ich erzaehlte dem Soldaten der mir den Plan mitteilte, dass es weit besser waere, zwei Leute auf einen Lastschlitten und die Ausruestung auf einen weiteren Schlitten zu packen falls nun schon mal das Horn zum Rueckzug geblasen worden war. "Lasst zwei Lastschlitten und die kaputte Maschiene zurueck. Die Schlitten muessen eh zum McLaren Checkpoint um dort Hunde abzuhohlen, die dort von Mushern abgegeben wurden. Richtig? Ihr koennt diese auf dem naechsten Lauf weiter in Richtung McLaren mitnehmen.Das ist besser als sie zurueckzuschleppen und spaeter wieder nach McLaren zu bringen."
Der Soldat stand wortlos vor mir.
"Lasst den Motorschltten auch hier ! Zwei Einzelfahrer koennen den morgen abhohlen", fuegte ich hinzu. "Ihr werdet die Zugmaschiene ueberlasten. 2 eurer 6 Motorschlitten sind ja schon nach 30 km im Eimer. "
Die Motorschlitten der Soldaten waren mit kleinen robusten Motoren um 350 cc ausgeruestet.
Die Augen des Soldaten liessen sich hinter dem Visier seines Schutzhelmes schlecht erkennen.
Er drehte sich ohne weitere Worte um, ging davon und half dabei den Motorschlitten aufzuladen.





Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: dr-blei am 12/31/08 um 04:30:39
Er drehte sich ohne weitere Worte um, ging davon und half dabei den Motorschlitten aufzuladen.
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Also ich will ja nicht unken aber das ist doch ein Beispiel von nicht lernfähig? ;D


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 12/31/08 um 07:23:49
Ich werde die Geschichte weiterfuehren, aber bin wahrscheinlich nicht gut genug um die ganze Sache zu erklaeren. Der Soldat machte meinem Gefuehl nach keine Aussage, weil er nicht dazu befugt war die Entscheidung des Commanders zu diskutieren, ..... egal ob er damit uebereinstimmte oder nicht.
Es waren allgemein wirklich gute Leute, aber ......  ::)


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Anacok am 12/31/08 um 10:16:53
Hallo Peter,
DANKE für die super Ausführliche und interessante Berichterstattung, für die Bilder und die Videos. Du machst da eine super Arbeit, um uns auf dem neusten Stand zu halten und zu Unterhalten.
Bei all den Strapazen, die Du auf dich nimmst ( Kälte, Sturm wenig Schlaf ) während Wir hier in der warmen Stube, vor den Rechnern sitzen und auf Neuigkeiten warten.
Also, ich freue mich schon auf die folgenden Rennen.

Ich wünsche Dir einen Guten Rutsch ins neue Jahr, Glück und Gesundheit für 2009.

Viele Grüße
Dieter


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: dr-blei am 12/31/08 um 13:13:17
@Peter

Verstehe schon Befehl ist Befehl!

Einen Guten Rutsch und ein erfolgreiches Neues Jahr :D


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Dzinghis_Khan am 12/31/08 um 21:20:42
Danke schön nochmals an Anacok,  daß Du mir diese Seite gezeigt hast.

Wirklich super was Peter Kamper hier berichtet.  Einfach fantastisch !!!!!!  Ganz toll!  Wirklich gut!

Bis jetzt habe ich mich immer durch die diversen US Sites gewühlt,  um etwas mehr Hintergrund Info zu bekommen .... und hier gibt es sie first hand !!!  Ich bin immer noch ganz hin und weg ...

... und gleich eine Frage an Peter:

Stimmt das wirklich ?

aus Newsminer von Big Old Moose Hunter:

12/29/2008, 4:32 p.m.  About seven mushers stuck with the race schedule. For some racers, early, shorter races like the GinGin are needed as qualifiers for the Big Two, or to get/retain sponsors, and so on. For others, most notably well-recognized names like King, Seavey, Mackey, Schnuelle - who amongst just those four, with their handlers and so on, brought ten teams to that race - the Gin Gin and its horrific ten-mile stretch of wind-wasted asphalt - was not worth their endangering their good racing dogs. Other than the small coterie of racers who left Maclaren late in the afternoon to early in the evening, just about the entire field decided to party it up rather than slog back through the -30s to -40s...with gale... and on the bare-black road.

The reason King and Reppert scratched at Maclaren is that they found it worthwhile to leave that checkpoint by heading west - homewards through Cantwell - rather than back toward Paxson and then the long road loop back.

Es ist mir von den Zeiten her auch aufgefallen,  daß Lance Mackey und seine beiden Schützlingen ziemlich dicht bei einander im Ziel eingetrudelt sind ?!

Gruss,
Dzinghis

Nochmals grosses Lob an diese Seite und Peter Kamper.


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 01/01/09 um 01:26:13
Hi Dzinghis,
danke...., macht aber auch Spass...
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Der Leserbeitrag stimmt zum grossen Teil.
In Hinsicht auf Jeff King:
Er hatte keine Lust mehr und einen Wasserrohrbruch zu hause.
Er und sein Handler brauchten das Rennen nicht, und er war ein bischen frustriert wie mir Dan Kaduce sagte, da er fuer den 120 Meilen Loop (McLaren -McLaren) viel zu lange gebraucht hatte.
Er hat ebenfalls ein nettes Haus nur 20 km von McLaren entfernt und zog es vor einfach nach hause zu gehen und sich um seine eigenen Probleme zu kuemmern.
In Hinsicht darauf, dass viele Musher einfach mehr Spass hatten in McLaren zu feiern anstatt weiterzufahren ist etwas aus der Luft gegriffen. Viele wollten ihren Hunden nach den langen, kalten Stunden auf dem Susitna River auch mehr Rast geben und die Wettervorhersage fuer die Nacht war miserabel. Die ersten drei Preisgeld-Plaetze in beiden Divisionen waren auch schon vergeben. (3. Platz - 480 $) und viele warteten auf Tageslicht um besser sehen zu koennen.

Der Trail zwischen McLaren und Paxton war so schlimm wie noch nie, was aber meiner Ansicht nach keine Gefahr fuer Hunde darstellte, wie im Leserbrief angedeutet wird. Mackey hat an allen drei Schlitten, die im Rennen liefen auf dem Asphalt die Tracks abgescheuert, und diese sind ca. 2/3 des Wertes der Schlitten. Er zog es auch vor in McLaren zu warten um die Jungs, die er trainiert heil nach Paxton zurueck zu bringen. Alle drei hatten uebrigens meines Wissens nach die schnellste Rennzeit von McLaren zurueck nach Paxton. Ja, Mackey hatte auf sie gewartet.
Allerdings sprach ich auch mit Brent Sass, der andere haertere Kufeneinschuebe (Runner Strips) benutzte und mit seinem Schlitten keine Probleme hatte. Er meinte, dass Lance Mackey aus irgendwelchen Gruenden viel zu weiche Strips auf seine Kufen aufgezogen hatte, die wie Radiergummi schon nach kurzer Zeit vom Aspahlt abgerieben wurden. Allerdings gab es auch keine 15 km kahlen Asphalt wie der Leserbrief besagt. Man konnte meist gut am Strassenrand im Schnee fahren..... wenn die Hunde mitspielten.
Das groesste Problem war wohl eben der Teil der Strasse, der von Schnee freigeblasen war. Ich werde in den naechsten Tagen ueber mein Filmmaterial vom 13Mile Summit gehen und ein kurzes Video davon posten. Dann kannst du dir selbst einen Eindruck davon machen wie es dort aussah.

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Nachtrag ( 6 Stunden spaeter) :
Habe grade eine E-Mail von Zoya DeNure erhalten. Sie ist die Direktorin des GinGin 200:
"We're getting lots of good feedback on the race for this year, mushers too are writing in and saying it was tough but good, even Jeff King wrote and had nothing but praise for the race...his handler had bad frostbite on the toes and a few dogs got it too this is why he backed out."

Am Anfang wollte ich nicht zu viel ueber die wild kursierenden Geruechte ueber seinen Abbruch des Rennens sagen, da es zu viele Geruechte gab.
Checkpoints wissen nichts, aber suchen immer nach Erklaerungen. Wenn ich mit alten Beobachtern der nordischen Schlittenhunde-Rennen zusammensitze und man keine Neuigkeiten erhaelt, sagt immer irgendjemand: "Tja, dann lasst uns mal ein gutes Geruecht erfinden."
Wir lachen drueber, aber wenn ich jedes Geruecht des GinGin 200 aufgeschrieben haette, waere ich immer noch an einem Bericht des Rennstarts am schreiben.
En weiteres Geruecht war, dass dies das letzte GinGin 200 waere.....
Ich versuche mich in der Berichterstattung ein bischen zurueckzuhalten... ;)
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Viele Gruesse,
Peter


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 01/01/09 um 02:59:58
Wo waren wir stehen geblieben, ach ja, das Aufladen des Motorschlittens....

Ich ging ebenfalls hinueber und half die Maschiene auf den Lastschlitten zu wuchten. Die Vorderkufen der Maschiene waren etwas zu breit und sassen nur links und rechts auf dem Rand des Lastschlittens auf.
Dann wurde mir und einem der Soldaten befohlen auf dem Motorschlitten Platz zu nehmen der auf dem Schlitten stand. Ich gehorchte.
Es liegt mir wirklich nicht daran die Herren der Army National Guard hier schlecht darzustellen oder mich ins rechte Licht zu ruecken. Eigendlich lache ich lieber gerne ueber meine eigenen Fehler (von denen ich viele mache) als ueber Fehler anderer Leute.
Trotzdem muss gesagt werden, dass die Motorschlitten ganz klar unzuverlaessig waren und der Commander sich faelschlicher Weise nun dazu entschieden hatte, eine der drei Maschienen mit einem ueberladenem Lastschlitten zu ueberlasten.
Das Gewicht haette weit besser verteilt werden koennen indem ich und der Soldat auf einem der Lastschlitten der anderen Maschienen fuhren.
Einige Kilometer nachdem wir den Rueckzug antraten, kippte die Maschiene auch fast vom Schlitten. Man hielt an und vertaeute sie neu. Schlussendlich ging ich doch zum Commander und tippte ihm auf die Schulter: "Ich werde mich auf einen der anderen Lastschlitten setzen," meinte ich.
"Ok, was auch immer, pass nur auf", meinte er.
Ich suchte mir einen der ungefederten halb mit Gepaeck gefuellten Lastschlitten aus und verkeilte mich mit den Fuessen um guten Halt zu finden. Die Seiten des Schlittens waren nur ca. 10 cm hoch. Inzwischen war es fast dunkel.
Da ich gleich hinter dem Motorschlitten auf Bodenhoehe sass/lag musste ich die Kapuze tief ins Gesicht ziehen als wir weiterfuhren. Die Maschiene warf zu viele kleine Schneebrocken auf um zu gucken und meine Schutzbrille war inzwischen so vereist, dass ich nicht mehr durchgucken konnte. Vielleicht haette auch ich bessere Vorbereitungen treffen sollen ?
Ich wurde im harten Schlitten gut durchgeschuettelt, aber ansonsten gefiel es mir auf dem Boden des Schlittens viel besser als auf dem hohen Sitz des abgeschlepptem Motorschlittens. Auf dem sass jetzt nur ein Soldat.
Wenn die Strasse bergab ging und die Maschiene bremste, behielt der Lastschlitten auf den von Schnee freigeblasenen Strassenstrecken seine Geschwindigkeit bei, begann seitwaerts zu schliddern und versuchte den Motorschlitten damit seitwaerts zu ueberhohlen. Ich verlagerte mein Gewicht und lehnte mich ueber die hohe Seite des Lastschlittens um eine gewisse Bremswirkung zu bewirken, was eigendlich Spass war.
Hinter mir passierte allerdings das selbe mit dem Lastschlitten der die kaputte Maschiene trug. Der vom Motorschlitten gezogene Lastschlitten stellte sich ohne dass die Kufen Griff fanden im Schnee auf dem Asphalt seitwaerts sobald die Zugmaschiene langsamer wurde. Ich konnte mir leicht vorstellen, was passieren wuerde wenn der Lastschlitten samt Maschiene und Passagier umkippen wuerde. Dazu bedurfte es nur eine kleine Schneewehe auf der Strasse. Die seitwaerts rutschenden Kufen wuerden sich in die Schneewehe graben und der Motorschlitten wuerde mit voller Wucht nach vorne kippen.
Wir wuerden einen Verwundeten haben, da die Maschiene mit grosser Wahrscheinlichkeit auf sein Bein kippen wuerde. Meine Bewunderung fuer diese Soldaten, die anscheinend wirklich ihr bestes zu tuen suchten, sank auf -10%.
Ich fluchte leise vor mich hin und dachte ueber eine moegliche Revolution nach, verwarf diesen Gedanken allerdings schnell .
Als ich wieder zurueckguckte, sah ich die beiden Lichter der uns folgenden Maschienen auf der Bergkuppe die wir grade ueberquert hatten. Anscheinend hatten diese dort beim ersten versagendem Motorschlitten angehalten.
Mein 'Fahrer' in dessen Lastschlitten ich fuhr, hatte sich staendig umgeguckt und sah dies ebenfalls. Wir hielten an und warteten. Er hatte keine Lust umzudrehen.
Es gab kaum eine Moeglichkeit sich zu unterhalten ohne zu schreien, und so standen wir schweigend im Wind und starrten gebannt auf den Huegel und das Licht der beiden Motorschlitten. Ein neues Licht blitzte auf, begann zu flackern und starb. "Sie versuchen die andere Maschiene anzuwerfen", bruellte mir der Soldat zu. Tania, die auf dem Ruecksitz seines Motorschlittens gesessen hatte, stand eben uns.

Fuer ueber 10 Minuten warteten wir bevor auf dem Huegel hinter uns die erneuten Reparaturversuche aufgegeben wurden. Ich hatte mich inzwischen wieder in den Windschatten unseres Motorschlittens begeben nachdem ich feststellte, dass die Temperaturen und starken Windboehen beim still stehen langsam durch die 5 Lagen meiner Kleidung drangen. Tania setzte sich neben mich und wir tauschten gutmuetig ein paar Flueche aus. Ich lehnte mich zu ihr hinueber und rief ueber den Wind: " Wunderschoene Gegend, haben sie gesagt. Tolle Leute, haben sie gesagt.... Was stand denn in DEINER Ferien-Brochuere ?" Sie lachte unter ihrem Helm und rief zurueck: " Sie haben gesagt, dass man in McLaren ein Bier kriegen kann und langsam koennte ich eins gebrauchen."
Hinter den Bergen verschwand das letzte Abendlicht.


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Inge am 01/01/09 um 10:39:28
Danke für diesen wunderbaren Bericht (dass ich mir oftmals bei den köstlichen Schilderungen das Grinsen nicht verbeißen kann, ist doch o.k., oder? :D :D :D).
Peter, Du solltest ein Buch schreiben!

Allen, die hier mitlesen, ein gesundes Neues Jahr!

L.G.

Inge


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 01/01/09 um 13:05:05
Schlussendlich bewegten sich die Lichter der Motorschlitten auf dem Berg und kamen auf uns zu.
Beim naeheren hingucken stellte ich fest, dass der Commander endlich die kaputte Maschiene samt Lastschlitten auf dem letztem Huegel zurueckgelassen hatte. Es gab keine grossen Gesten mehr. Ein kurzes Nicken des Commanders mit dem Helm und ein Winken besagte einfach was auch ich dachte: "Lasst uns zurueckfahren und die ganze Sache nochmals ueberdenken."
Auch der Soldat, der schlussendlich alleine auf dem abgeschlepptem Motorschlitten gesessen hatte war nun auf einen Lastschlitten umgestiegen. Und so fuhren wir weiter Richtung Paxton.
Waehrend der ungefederte Lastschlitten unter mir manchmal kleine Luftspruenge machte und ich mich mit Schulter und Wade abzufedern suchte und immer wieder meine Kapuze tief ins Gesicht zog um Erfrierungen zu vermeiden, dachte ich an die 43 Musher, die es ueber die Berge bis nach McLaren geschafft hatten. Baumlose windige Huegel zogen auf dem Weg nach Paxon an mir vorbei und ich musste unwillkuerlich lachen.
Was fuer ein Witz:
Musher bezwangen die Strecke bis nach McLaren um nach 6-stuendiger Rast eine kalte 170 km Strecke auf dem Flusseis des McLaren und Susitna River anzutreten.
Ich befand mich mit modernster maschineller Ausruestung zurueck auf dem Weg nach Paxton.
Den Musher-Regeln nach waren wir mit unserem Rueckzug nach Paxton vom Rennen disqualifiziert worden. Dieser Witz sass mir zwar etwas bitter in der Kehle, aber zeigte mir erneut was ich immer schon vermutete: 'Die Verbindung zwischen Hund und Mensch kann weit mehr ueberwinden als moderne Technologie sich ertraeumt.'
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Als ich in Paxton ankam, versorgte ich erst einmal meine Kameratasche. Diese war mit Schnee gefuellt, da ich einen Reissverschluss nicht ganz zugezogen hatte.
Ich schuette den Inhalt der Tasche an der Eingangstuer auf den Teppich und bliess den Schnee von der Ausruestung bevor er tauen konnte.
Den Rucksack mit meinem Computer oeffnete ich nur weit genug um sicher zu sein, dass nicht zuviel Schnee durch die Verschluesse gedrungen war, dann liess ich ihn liegen. Er war ueber die 5 Stunden unserer Reise auf -40C abgekuelt und ich wollte ihn langsam erwaermen bevor ich ihn auspackte.
Als ich die kleine Canon G7 Kamera aus einer meiner vielen Aussentaschen hervorkramte, war diese mit einer sanften, glatten Eisschicht bedeckt. Sie war schon vor der Videokamera ausgefallen.
Ich breitete meine eisverkrustete Ausruestung auf einem Tisch des Restaurants aus und ging in die Kneipe.
"Peter, du hier ? Was ist passiert ?"
"Probleme mit Motorschlitten....". Ich versuchte mich kurz zu halten. Es gab keinen Grund die Soldaten schlecht hinzustellen.
Fuer viele Leute die in Paxon leben ist eine Fahrt mit Motorschlitten bis nach McLaren allerdings ein eher kleiner Ausflug und die Idee, dass die Alaska Army National Guard es nicht geschafft hatte bis nach McLaren zu kommen erzeugte einiges an Gelaechter.
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Als drei Soldaten der Alaska Guard in die Kneipe kamen wurde es still. Ich ging rueber und meinte zum Commander, der das aufgebende Team zurueckgebracht hatte: "Was macht ihr jetzt ?"
"McLaren braucht heute nacht noch die Medikamente fuer den Tierarzt in McLaren. Wir werden in 30 Minuten mit drei Motorschlitten wieder losfahren."
"Kann ich mitfahren ?", fragte ich.
Er schuettelte den Kopf: " Drei Motorschlitten, nur unsere besten Fahrer. Tut mir Leid. Nein."
Ich verstand seine Logik, ... ich haette die selbe Entscheidung getroffen.
Tatsaechlich erreichten die drei Maschienen mit der wichtigen Ausruestung fuer die anwesenden Tieraerzte den Checkpoint McLaren kurz vor 1 Uhr morgens.


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Urknall am 01/01/09 um 15:52:33
Es ist schon wirklich erschreckend zu erfahren, wie vermeintlich geschulte Leute, sich unter solch widrigen Umständen, verhalten.
Wenn ich als Rookie mir solche Fehler erlaube.....

gut, dann ist es mein eigenes Ding !

Aber die 'Alaska National Guard' sollte doch nun wirklich erfahren genug sein ????

Nun, sei es drum, und ich bin froh, dass Du lieber Peter wieder heil angekommen bist.
Wünsche allen ein frohes, neues Jahr !

Grüße

Knalli  :)


Titel: Re: GinGin 200
Beitrag von: Peter_Kamper am 01/03/09 um 05:35:23
Habe jetzt einen kleinen Ausschnitt der 'Motorschlitten-Tour' auf You-Tube hochgeladen. Da die Lufttemperatur ja um -35 bis -40C lag, sind mir ja spaeter leider die Batterien eingefrohren, aber hier wenigstens etwas:
http://www.youtube.com/watch?v=g86b9TPKMSg  
Peter